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Freie evangelische Gemeinden und Martin Luther

           

Zum Selbstverständnis der Freien evangelischen Gemeinden
gehört
die Verbundenheit mit der  Reformation und mit  
Martin Luther 

 

Die FeGs hängen geschichtlich nicht unmittelbar mit der Reformation des 16. Jahrhunderts zusammen.
Dennoch haben wir sie als Gemeinde Jesu Christi zusammen mit anderen
evangelischen Landeschen, Freikirchen und Gemeindebünden beerbt.
Im Zentrum dieses lebendigen Erbes steht für uns seit Hermann Heinrich Grafe und Heinrich Neviandt das Evangelium
als frohe Botschaft von Gottes freier Gnade für die in Sünden gefangenen Menschen.
Wie Luther denken die FeGs pessimistisch über den Menschen und seine Möglichkeiten, vor Gott bestehen zu können.
Der rettende Glaube ist nichts, was wir aus uns selbst hervorbringen könnten.

Es wird allein von Gott ermöglicht.

Luthers vier „solae"

Luther drückte dies in den vier „solae" aus. Allein Cristus mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen ermöglicht die Gemeinschaft des Menschen mit Gott. Allein die Heilige Schrift, die von Christus zeugt und sein Leben und Werk durch den heiligen Geist für den Menschen erfahrbar macht, tritt an die Stelle der kirchlichen Lehrautorität.  Allein aus Gnade wendet Gott sich dem Menschen zu.
Grafe hat im Anschluss an Adolphe Monod der Gnade das Wort „frei" beigefügt. Unser Heil ist somit an keine Bedingung geknüpft, sondern liegt außerhalb von uns selbst begründet. 
Die Aneignung der Gnade geschieht allein aus Glauben seitens des Menschen. Der Glaube ist aber ein gnadengewirktes Geschenk von Gott. Deshalb kann man nie vom Glauben des Menschen reden, ohne auf die Gnade Gottes zu verweisen. 

Auch darin, wie wir Gemeinde verstehen, beerben wir wenigstens Luthers Vorrede zur Deutschen Messe von 1526 (Weimarer Ausgabe 19, 73-75). Darin beschrieb er als wünschenswerte Gemeindeform den „Gottesdienst derer, die mit Ernst Christen sein wollen".
Luthers Erbe stellt uns FeGs zentrale Fragen, die es immer wieder neu zu beantworten gilt: Wie können Menschen Gottes Wort annehmen? Wie ist die Gemeinde als Gemeinschaft von Glaubenden zu verwirklichen? Und wie ist es möglich, dass das Leben durch das Evangelium erneuert wird?

Wort Gottes „Angelpunkt der Dinge"

Das Wort Gottes ist für FeGs die Grundlage für Glauben, Lehre und Leben. Damit ist es der
„Angelpunkt der Dinge" (Luther). Wie Luther gehen wir davon aus, dass das Wort Gottes die Bedingung dafür ist, dass Menschen glauben. Luther sprach vom „wirksamen Wort". Es redet Menschen durch den Geist an. Es wird konkret in dem Zuspruch neuen Lebens und im Anspruch an und auf unser Leben. Luther betonte, dass das Wort Gottes im „Gewissen" oder im „Herzen" befreiend wirke, für die eigene Lebensgeschichte, für den religiösen Nonkonformismus in der Gesellschaft sowie für die Gestalt der Gemeinde.
Die FeG‘s glauben, dass Gottes Wort erst da zu seinem Ziel kommt, wo es menschlichen Glauben weckt und im Gehorsam des Glaubens angenommen wird. Wer auf Gottes Wort hört, wird als Hörer verändert. Er wird in die Gemeinschaft aller Glaubenden versetzt. Die Gemeinde ist darum der Ort, in dem dieses glaubensweckende Wort gehört werden kann. Sie ist auch der Ort für das auf das Wort Gottes antwortende Bekenntnis in Wort und Tat. Man kann nicht von der Wirksamkeit des Gotteswortes reden, ohne von dem Glauben zu sprechen, den es bewirkt. Im Vertrauen darauf, dass Gottes Wort wirkt, dürfen und sollen Menschen danach gefragt werden, wie es ihr Leben verändert. Dabei ist es wichtig, auf Luthers Unterscheidung zu achten:
„Wer da fromm werden will, der sage nur nicht: Ich will anfangen und gute Werke tun, dass ich Gnade erlange; sondern: ich will warten, ob Gott durch sein Wort mir seine Gnade und Geist geben wolle." (Weimarer Ausgabe 24, 244,31-34)

 

Artikel aus Christsein Heute Mai 2014 Prof. Andreas Heiser