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Geleitwort der Freikirchen

            

Geleitwort 

Mit dem Begriff „Freikirchen“ wird ein weites Spektrum evangelischer Freikirchen bezeichnet. Allen  diesen  Freikirchen ist gemeinsam, dass das Reformationsgeschehen für sie prägend war und ist. Manche, wie die  Herrnhuter und die Mennoniten, sind selbst Vorbereiter der Reformation gewesen oder haben vorreformatorische Traditionen integriert. Aber auch diejenigen, die erst im letzten Jahrhundert gegründet wurden, stehen auf dem Boden der Reformation. Der Reformation und ihrer Neuakzentuierung der biblischen Grundlagen des Glaubens zu gedenken sowie einen eigenen Beitrag zum Feiern des Reformationsjubiläums zu leisten, steht „den Freikirchen“ daher gut an.
Mit diesem Heft möchten wir deshalb unseren Beitrag dazu leisten. Wir tun das, indem wir zu einem viel stimmigen Lob Gottes aufrufen. „O dass ich tausend Zungen hätte“ darf dabei durchaus als Programm dienen – mit viel-fältigen Akzentuierungen, die im Zusammenklang ein hoffentlich Gott wohlgefälliges Loben ergeben. So zeigen wir ganz praktisch, dass wir unter Ökumene nicht den kleinsten gemeinsamen Nenner verstehen, sondern die Vielfalt der Schöpfung auch in unseren Kirchen widergespiegelt wissen.
Nicht zufällig haben wir den Schwerpunkt unseres Beitrags auf das Singen gelegt, vor allem auf das gemein-same Singen im Gottesdienst. Ist es doch ein gemeinsames Wesensmerkmal der Freikirchen, das Lob Gottes mit  kräftigem Gesang erklingen zu lassen. Dabei spielten und spielen neben Liedern aus der Tradition immer wieder  neue, zeitgenössische Lieder und Musik eine große Rolle. Denn die alte frohe und befreiende Botschaft immer  wieder in die jeweilige Zeit verkündigen zu können, ist den Freikirchen ein wichtiges Anliegen gewesen. Dass dafür eine zeitgemäße Sprache sowohl der Worte als auch der Töne wichtig sind, versteht sich fast von selbst.
Mit diesem Materialheft, mehr noch aber mit den hoffentlich demnächst gefeierten Gottesdiensten, möchten  wir Türen öffnen – die Türen unserer Kirchen und die Türen der Herzen vieler Menschen, die zum Lob Gottes  gemeinsam feiern. Ebenso wollen wir deutlich machen, dass Reformation nicht ein fernes Geschehen ist, dessen wir uns gedenkend erinnern, sondern Aufgabe auch für heute, um das Evangelium von Jesus Christus heute zu verkündigen und Nachfolge zu leben.

 
       

BUND FREIER EVANGELISCHER GEMEINDEN IN DEUTSCHLAND

Ich werde häufig zu Jubiläen von Ortsgemeinden eingeladen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Gemeinden vor  100 oder 150 Jahren häufig als Chor begannen oder aber die Chöre von Anfang an entscheidende Gemeinschaft bildende Institutionen waren. Man fand Glaubensstärkung, man hatte einen Auftrag, die Inhalte der Lieder veran-kerten sich in den Herzen, man war zusammen. Es ist nicht zu überschätzen, welche Bedeutung diese Arbeit hatte. Es ist auch kaum zu überschätzen, wenn man bedenkt, dass es eine solche Wirkung heute nicht mehr geben kann.
Oder doch? Immer noch ist Musik in Freikirchen wichtig. Lieder sind Transportmittel für Gefühle. In Liedern ist man zu Hause. Und deswegen wird in manchen Gemeinden heftig darüber gestritten, welches Liedgut zu bevorzugen sei. Diese Debatten sind zum Teil emotional. Manchmal bleiben Menschen auch einfach weg. Zum Teil die Jungen, weil sie sich nicht identifizieren können mit dem vorherrschenden Liedgut oder die Alten, aus demselben Grund. Gut, wenn also noch darüber gestritten wird. Und noch besser, wenn nach dem Streit alle sagen: „Es geht doch um etwas anderes. Es geht um Gottes Lob. Es geht nicht um meinen Geschmack. Es geht um Gott selber. Lasst uns miteinander Gott singen!“
Mein Vorgänger als Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden ist Peter Strauch. Er schrieb in seinem  Leben ungefähr 180 Lieder. In unserem Gemeindebund bildeten sie über Jahrzehnte ein Liedgut, das Identität  stiftete. Diese Lieder konnten alle mitsingen. Manche Lieder sind bis heute sehr beliebt. Peter Strauch bekommt für diese Leistung in 2015 den „Heinrich-Neviandt-Preis“ verliehen, obwohl er vieles andere im Bund auch in  Bewegung gebracht hat. Aber die Lieder, die bleiben besonders tief haften.
An diesen wenigen Markierungen wird klar: Lieder, Musik, Gesang haben eine enorme Bedeutung für das Leben  in Freien evangelischen Gemeinden. Ich bin mir sicher, dass dies in allen Kirchen und Freikirchen der Fall ist und freue mich über die Hervorhebung dieses Themas.
Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen Gottes Segen beim gemeinsamen Forschen, Glauben und Singen,
Ihr

Ansgar Hörsting 
Präses Bund Freier  evangelischer Gemeinden Deutschland KdöR