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Maria – Eine Begegnung mit der Muttergottes

Verfasserin: Dorothee Sölle

In der Bibel begegnen uns viele Gestalten. Und es ist eine bewährte Frömmigkeitsübung, sich mit einer dieser biblischen Personen intensiver auseinanderzusetzen, aus deren Leben und Glauben zu lernen und da heraus für die eigene Lebensführung Anregungen zu erhalten.

  

 

In der Auswahl der Personen gibt es traditionelle, konfessionelle und persönliche Vorlieben oder Abneigungen. Wenn sich ein traditionsbewusster, katholischer Priester mit den biblischen Personen Maria und Josef auseinandersetzt, wird das kein besonderes Erstaunen wecken. Ebenso nicht wenn evangelischer Pastor aus dem Siegerland ein Lebensbild über Paulus veröffentlicht. Eine besondere Spannung entsteht, wenn eine kritische, moderne, emanzipatorisch ausgerichtete evangelische Theologin mit „ Maria, Eine Begegnung mit der Muttergottes", sucht. So lautet auch der Titel des Buches. Bei der Autorin handelt es sich um die im Jahre 2003 verstorbene protestantische Theologin Dorothee Sölle. Sie war in ihrem Leben stets kritisch, umstritten von allen Seiten und politisch engagiert in der Friedensbewegung, in der Emanzipationsbewegung und im kirchlichen Raum (Initiatorin des politischen Nachtgebets). In diesem etwas über hundert Seiten umfassenden Büchlein geht sie ganz sensibel und biblisch sowie literarisch fundiert auf die Gestalt der Maria ein. Aber nicht in der Form sachlicher Beschreibung, sondern in der Art eine meditativen Annäherung. Dabei unterscheidet sie sehr deutlich, dass, wie bei anderen biblischen Gestalten auch es unterschiedliche Zugänge gibt, auf die sie auch eingeht. Z.B. die biblische Verkündigung – Von der Generationentafel des Matthäus an über anderen Evangelistenberichte bis zur Apostelgeschichte, in der Maria als Mitglied der jungen Jerusalemer Gemeinde geschildert wird und letztlich als die Frau im Sonnekleid in der Offenbarung des Johannes. In der kirchengeschichtlich variierte Dogmatik, d.h. was man von der Amtskirche her glauben soll. (Jungfrauengeburt, Himmelfahrt, Marienwunder und Erscheinungen, wie z.B. Lourdes ) Die literarische Begegnung z.B. über den romantischen Dichter Novalis: Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt, Doch keins von allen kann dich schildern, Wie meine Seele dich erblickt.. Den Veränderungen durch die Volksfrömmigkeit geht sie nach und zeigt auf, wie viele Marienbilder der Glaube des einfachen Volkes hervor gebracht hat, die sich aus den einzelnen Erzählungen der Bibel ergeben. Wie z.B. Die Mutter (in Nachfolge Evas), die Schützende (mit Mantel), die Schmerzenreiche (mit drei oder sieben Schwertern in der Brust), Maria im Kornfeld (die Nährende), die schwarze Maria, Maria im Rosengarten, Maria die Ratgebende (weise) usw. Man ist erstaunt, welche Begründungen oftmals hinter den für uns Protestanten nicht so einfach annehmbaren Bildern stehen. Die eigene Annährung von Dorothee Sölle erfolgt auch über eigene Gedichte (S. 83) Insgesamt ein lesenswertes Büchlein, das uns anregen kann, auch andere Verstehensweisen der christlichen Lehre kennen zu lernen. Herder Verlag, Freiburg 2005 9,90 €

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