„Lebenskunst und Lebensfreude" Ein kleines ABC

Verfasser/in: Ulrich Beer

Sein Leben führen oder führen lassen

Die Art und Weise wie ich mein Leben führe, scheint in unserer Zeit keiner Maßgabe zu unterliegen. Es herrscht der Eindruck vor, dass alles erlaubt ist was gefällt und machbar bzw. zu haben ist. Das Eine ist so richtig oder falsch wie das Andere. Eine verlässliche Ordnung gibt es anscheinend nicht mehr. Der Ziel- und Werterelativismus unserer ‚postmodernen' Gesellschaft hat den individuellen Genuss des Augenblicks vor jede planende und mitverantwortliche Lebensführung gesetzt.

 

Gesetz ist - was ankommt. Es kommt an – was Geld bringt; so könnte die zugegebener Maßen vereinfachende Formel lauten.

Das plötzliche Erstaunen setzt ein, wenn etwas schief läuft, wenn etwas anders kommt als man es erwartet hat. Die Hilflosigkeit im Umgang mit oftmals einfachen und selbst-verständlichen Lebenssituationen wird bei manchen schon zum Problem. Anstatt sich mit wichtigen Lebensansprüchen persönlich auseinander zusetzen, wie mit Zielen, Krisen, Krankheit oder Tod, werden diese Themen lieber verdrängt oder verschoben.

Das ist dann oft der Markt für gute Berater, aber auch für Scharlatane und Gurus.

Wem soll, wem darf man trauen?

Ulrich Beer, bekannt als jahrelanger fachlicher Begleiter der Fernsehsendung: „Ehen vor Gericht" und Buchautor hilft mit diesem Buch, das Leben wieder ‚buchstabieren' zu lernen.

Dies einmal ganz wörtlich genommen: denn in begrifflicher Reihenfolge bearbeitet er von

A bis Z rund 50 wichtige Lebensthemen.

Aus dem Fundus seiner eigenen über siebzigjährigen Lebenserfahrung, seinem weiten psychologischen Fachwissen und basierend auf seiner unorthodox christlichen Lebensgrundhaltung zeigt er Gesetzmäßigkeiten des Lebens auf, die nicht bedenkenlos übersehen und übergangen werden sollten.

Buchstabieren aber auch im übertragenen Sinne, ähnlich wie ein I-Männchen die Fibel lesen lernen muss, ist es für jeden Erwachsenen notwendig,

die Vielfältigkeiten des Lebens zu erkennen, zu durchleben, zu bewältigen – eben ‚durch-zu-buch-stab-ieren'. In diesem Sinne bleibt man immer Anfänger der Lebenskunst- „...und hört nicht auf zu üben und zu lernen."

Ulrich Beer buchstabiert die Kunst des Lebens nicht indem er lockere Tipps und jederzeit handhabbare Tricks anbietet, sondern in gut verdaulichen Aufsätzen / Essays zu intensiverer Auseinandersetzung mit den verschiedensten Lebenssituationen anregt.

Dabei geht es um Themen wie -Altersbejahung, -Dankbarkeit, -Freundschaft,

-Lebensführung, -Nächstenlieben, -Selbstvertrauen, -Sinnerfüllung, -Trauer und -Zweifel, um nur einige zu nennen.

Innerhalb der Ausführungen werden vielfach Bezüge zu weiteren Lebensfragen hergestellt, die als Begriffe in dem an sich lückenhaften Alphabet nicht auftauchen.

Auch sind die Themengebiete fachlich nicht bis ins Kleinste ausgearbeitet und ausdiskutiert, die Artikel bieten aber viele gute Anregungen zu eigenen Befassung mit der jeweiligen Thematik.

Das Buch ist eine Einladung an alle, die sich mit Fragen des eigenen Lebens und dem der Mitmenschen und den zeitgeistigen Strömungen befassen möchten. Es bietet gute Überlegungen an, die einem helfen können, ernsthafte Gespräche zu führen, sei es im Freundes- und Bekanntenkreis, sei es im erzieherischen Rahmen.

Das Buch ist in einem gut lesbaren persönlichen, dennoch sachlichen Stil, ohne allzu viel Fachchinesisch, geschrieben und mit anregenden Beispielen durchsetzt.

Ich habe das Buch als eine gewinnbringende Lektüre erfahren und glaube, dass es sich auch gut weiterreichen und verschenken lässt.

Ulrich Beer, Lebenskunst und Lebensfreude, ein kleines ABC, Echter Verlag, Würzburg 2002, ISBN 3-429-0204-8, € 9,90, kart.

Otto K.-H. A u r i n