Das verborgene Wort

 

Das verborgene Wort

Verfasser/in: Ulla Hahn

Ulla Hahn (geb. 1945) hat sich eigentlich einen Namen als gefühlvolle moderne Lyrikerin gemacht. Im Jahre 2001 hat sie sich aber auch durch die Herausgabe ihres ersten Romans „Das verborgene Wort" als lebensnahe Erzählerin profiliert. In diesem über 600 Seiten starken Werk gibt sie über ihre Hauptfigur, das Mädchen Hildegard, einen Einblick in die Lebens- und Denkweise der Nachkriegszeit. Viele tatsächliche gesellschaftliche und politische Ereignisse stehen wie Meilensteine auf dem Lebensweg und rufen Erinnerungen und eigene Erfahrungen aus dieser Zeit wach.

 

Hildegard ist ein intelligentes und fantasievolles Mädchen. Sie wird in einer armen, aber streng katholischen Arbeiterfamilie am Niederrhein groß. In diesem gewalttätigen und engstirnig religiösen Milieu ist kein Platz für Lernen, Lesen und Gefühl. Hildegard flüchtet sich in die Welt der Bücher und findet darin Geborgenheit und Orientierung, vor allem aber eine Welt, wie sie auch sein könnte. Oft genug jedoch geraten Poesiewelt und die harte Realität in einen unauflöslichen Konflikt. Dies vor allem dort, wo es um Grundfragen des Lebens wie Schuld, Liebe, Krankheit Tod und Glaube geht. Die Kluft zwischen christlichen Glaubenssätzen und gelebter Mitmenschlichkeit scheint unüberbrückbar zu sein. An dieser Stelle werden Leser aller Konfessionen auf die Glaubwürdig-keit von proklamierter Christlichkeit und gelebter Nächstenliebe hin befragt – und das insbesondere in der religiösen christlichen Erziehung. Der Roman erinnert daran, wie man selber die christliche Botschaft von der Liebe und Vergebung gehört und in der Erziehung praktisch erfahren hat. Am Ende stellt sich die Frage, was der frohen Botschaft gebe ich wie an meine Kinder in überzeugender und vorbildlicher Weise weiter. Es bleibt wohl für die meisten Leser, die Bitte und Vergebung.

Ein empfehlenswerter ernst zu nehmender Roman, nicht nur für die Urlaubszeit.

Das verborgene Wort von Ulla Hahn , dtv, 12,50 €

Otto K.-H. Aurin