Die etwas andere Buchbesprechung

Verfasser/in: Martina Siech

„Die meisten wissen, dass die Bibel aus zwei Teilen besteht, die man Altes und Neues Testament nennt. Einige enthalten auch noch die Apokryphen, die aber nicht für jeden zum Kanon der Bibel zählen. Das hat damit zu tun, wann welche Bücher als dazugehörig benannt wurden und was die Voraussetzungen dafür waren. Man musste Apostel bzw. Augenzeuge gewesen sein oder anerkannter Prophet. Im Neuen Testament wird sehr häufig aus dem Alten Testament zitiert. Sogar Jesus persönlich zitiert daraus. Dass das Alte Testament aus 39 Büchern und das Neue aus 27 Büchern besteht wissen sicherlich auch die meisten.

 

Und wir kriegen auch noch hin, dass das AT hauptsächlich in Hebräisch und das NT in Griechisch geschrieben wurde. Aber denken wir auch daran, dass die Bibel in ganz verschiedenen Situationen geschrieben wurde. Ich meine nicht die Situationen der Empfänger wie Epheser, Galater, Thessalonicher und so weiter. Es sind die Lebenslagen der Schreiber, aus denen heraus eine neue Herangehensweise an die Bibel interessant erscheint. Zum Beispiel schrieb Mose in der Wüste, Jeremia in einem Kerker, David in den Bergen oder seinem Palast, Paulus oftmals aus dem Gefängnis oder Johannes während des Exils auf der Insel Patmos. Was haben die Schreiber durchlebt und was führte dazu, dass sie schrieben?... Die Antwort, sie gehorchten Gott und wurden von ihm inspiert, ist zwar richtig, erscheint mir aber wie etwas, das nach dem Dahinter sucht. Was wollte Gott sagen und welche Botschaft steht vielleicht zwischen den Zeilen? Kann sein, dass es uns hilft, wenn wir die Literaturgattungen der Bibel betrachten. Geht es um Geschichte, um Poesie oder lehrhafte Briefe? Manche nennen sie auch Pastoralbriefe. Aber hier Fremdwörter zu gebrauchen, finde ich nicht so gut, weil ich der Meinung bin, dass wirklich jeder verstehen soll, um was es geht. Aber auch Lebensbilder, Berichte und Gedichte sind in der Bibel enthalten.

Und denken wir auch einmal daran, in welchem kulturellen Hintergrund die Bibel geschrieben wurde. Was waren die Juden, die Griechen, die Babylonier, die Landesnachbarn usw. für Menschen? Welche Sitten und Gebräuche hatten sie? Und ihre Politik...Welches religiöse Gebaren war an der Tagesordnung? Was durfte man und was nicht? All dieses beeinflusst. Und dann sind da noch das Wesen und die Lehrmethoden Jesu. Auf welche Art begegnete der Herr den Menschen? Er holte sie aus Lebenssituationen, aus ihrem Schicksal heraus und berührte sie. Jesus nahm die Menschen als ganzheitliche Person war. Gleichnisse, Metaphern, Vergleiche, der Gebrauch von Bildersprache... Das und noch viel mehr sind sprachliche Methoden, um Lehre weiter zu geben. Nicht jeder versteht sie.

Ich stelle mir vor, ein fast verdurstender Mann weiß, es gibt dort wo er ist, Wasser und er gräbt mit bloßen Händen danach. Was muss er für einen Eifer haben. Nichts Anderes mehr interessiert ihn. Er versinkt ganz in seinem Tun. Oder Schatzsucher – sie wollen nur den Schatz bergen. Sie wissen, dass er da ist und sie geben sich ganz der Schatzsuche hin. Graben wir auf diese Art nach Schätzen in der Bibel? Lassen wir uns durch nichts davon abhalten, zu suchen nach Wertvollem, was sie enthält? Oder ist sie für uns nur eins von vielen Büchern, das evtl. in unserem Regal verstaubt?

Wenn ich mir vorstelle, ich hätte damals gelebt, als Jesus auf Erden wandelte, dann pocht mein Herz. Ich wäre gerne in seiner Nähe gewesen, hätte ihn berührt und mit meinen Augen an seinen Lippen gehangen wenn er sprach. Ich hätte den Duft von vielen Pflanzen, von Schafen und von anderen Tieren in der Nase. Wasser wäre noch Wasser, wirklich greifbar und nicht in Flaschen abgefüllt und zu manch Überflüssigem weiter verwendet. Und vielleicht würde es mir nicht so schwer fallen, zu staunen. Es röch nicht nach Benzin und kein Fernseher und andere technischen Geräte würden die direkte Kommunikation mit meinem Nächsten beeinflussen.

Für mich ist und bleibt die Bibel die Heilige Schrift, das unveränderbare Wort Gottes. Er ist der Schreiber, auch wenn er zum schreiben fast 40 Menschen über einen Zeitraum von ca. 1500 Jahren gebrauchte. Manchmal nehme ich die Bibel und halte sie nah an meinem Herzen und im Stillen bete ich: Herr, es ist dein Wort, hilf mir, es zu verstehen und für mich zu gebrauchen. Begegne mir und zeig mir, was dir wichtig ist, mich wissen zu lassen. Wann hast du das letzte Mal deine Bibel ehrfurchtsvoll an dein Herz gehalten in dem Wissen, dass viele Schätze darin verborgen sind und dass Gott dir begegnen möchte?

Martina Siech