Der Traum

Eine Geschichte vom Himmel, die das Herz heilt
Verfasser/in: James Bryan Smith

„Der Traum ist ein Grenzzustand zwischen Tiefschlaf und Wachheit, wobei alle Übergänge zu ungesteuerter Fantasietätigkeit möglich sind.“, erklärt ein psychologisches Wörterbuch.

In dem vorliegenden Buch kann jedoch von ‚ungesteuerter Fantasietätigkeit‘ kaum die Rede sein, denn wie der Autor, in dem, meiner Ansicht nach gewichtigsten Teil des Buches, selber darlegt, folgt er sehr strategisch und konsequent seiner eigenen Schreibtheorie und einem festen Thema.

 

Zu diesem Zweck schickt er seinen überarbeiteten und nervlich am Boden liegend Protagonisten, Tim Hudson, einen bekannten Literaten, in ein Kloster, damit er sich dort innerlich sammeln und besinnen kann. Der Schmerz über den Tod seines Freundes Wayne, seiner schwerbehinderten Tochter Madison und seiner Mutter, vermag er nicht zu verarbeiten. Er hadert mit dem Leben und mit Gott, an den er eigentlich fest glaubt und für den er sich stets überzeugend eingesetzt hat. In seiner Klosterzelle wird er in ein zwanzigstündiges Traumerlebnis entführt. Er darf einen Blick in den Himmel werfen (Was auch das Buchcover geschickt und sehr bildhaft aufnimmt), ja, in sehr realistischer Weise himmlische Atmosphäre schnuppern. Alte Freunde und liebe Menschen begegnen ihm in wirklichkeitsnaher Weise. Natürlich muss er auf seiner Wanderung durch die himmlischen Sphären auch etwas lernen, nämlich, sich selber zu erkennen (Spiegelmotiv), Authentizität gewinnen (Masken ablegen); Vertrauen üben ((Let it be), Loslassen können (Zauberstab abgeben) und andere Charakteristika, wie sie auch in nicht christlichen Lebenskursen angeboten werden.

Auch wenn an verschiedenen Positionen Bibelstellen zitiert werden (selbst im Himmel kommt man wohl darum nicht herum) erscheinen einige theologische Grundsätze recht problematisch. So wird der Himmel als eine geografische Örtlichkeit beschrieben mit schönen Bergen, Wiesen, Wäldern und klaren Flüssen, worin m.E. eher die Sehnsucht des Autors nach einer romantischen Idylle deutlich wird als ein Stück des Himmels. Auch die geliebten Menschen, die ihm im Himmel wieder begegnen, sind lediglich in den Himmel projizierte irdische Gestalten. Als Fantasiegebilde kann das Buch gelesen werden, von der theologischen Aussagequalität her ist es eher dürftig und fragwürdig.

Sprachlich und erzählerisch führt uns der Autor, bzw., die Übersetzerin, in die Denkstrukturen der amerikanischen Mittelschicht ein, die sich sehr trendkonform an entsprechende gefühlsgeladene und tränenreiche Buchtitel und Fernsehserien anschließen. Floskeln, wie „Ich liebe dich.“- „Ich dich auch“; „ Es tut mir so leid“ – „Schon gut.“ sagen eher etwas über den Sprachtrend als über die Beziehung zwischen den Personen aus. Auch die vielen, vielen Hochwertwörter finden ihre Berechtigung nicht darin, dass die Handlung im Himmel spielt, sondern in dem literarischen Genre. „Wow.“ Ob die Geschichte vom Himmel ‚“…das Herz heilt“, wie im Titel angesagt, ist für mich offen geblieben.

Der Epilog und das Nachwort sind durchaus lesenswert und können für den ein oder anderen Leser zu einer Hilfe werden oder zumindest Interesse wecken.

Verlag: Gerth Medien GmbH, 35607 Asslar

Preis: 14,95 €

Rezensent: Otto K.-H. Aurin