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95 Thesen gegen die Evolution

Verfasser/in: Dr. jur. Dieter Aebi, Dr. med. Markus Bourquin, Prof. a. D. Dr.-Ing. Werner Gitt, Dr. chem. Ruedi Hartmann, Dipl.-Ing. Kai-Uwe Kolrep, Roland Schwab, Dipl.-Ing. Hansruedi Stutz, lic. theol. Marcel Wildi

Mit 95 Thesen wollen die Autoren mit Luther, der in der Kirchengeschichte eine Revolution einleitete, gleichziehen. Wie Luther damals die Kirche reformierte, wollen sie nun das naturwissenschaftliche Weltbild umkrempeln. Unter Evolution wird hier nicht nur die von Charles Darwin begründete Theorie über die Entstehung der Arten verstanden, sondern auch die Entwicklung des Weltalls und der Erde. Entsprechend weit gefächert sind die Thesen.

 

Bei den Autoren handelt es sich mit einer Ausnahme nicht um Naturwissenschaftler oder Mathematiker: Ein Jurist, ein Mediziner, drei Ingenieure, ein Theologe, ein Chemiker.

Die Thesen sind in acht Blöcke aufgeteilt, die sich inhaltlich jedoch teilweise überschneiden. Der Zwang, die Zahl 95 zu erreichen, führt dazu, dass manche Thesen in einem anderen Gewand doppelt vorkommen. Einen Part nehmen die von Walter Gitt, einem Mitautor, erfundenen „Naturgesetze über Information" ein. Diese werden herangezogen um eine Art Gottesbeweis zu führen.

Jede These ist mit Referenzen belegt. Meist werden Autoren aus dem Umfeld Intelligent Design oder der Kreationistenbewegung zitiert, die insbesondere in den USA eine Anhängerschaft unter den Fundamentalisten finden. Häufig referenzieren die Autoren ihre eigenen Werke. Werden anerkannte Wissenschaftler zitiert, so oft unvollständig und damit missverständlich, wenn nicht sogar verfälschend.

Da man in einer kurzen Besprechen nicht alle 95 Thesen durchgehen kann, möchte ich mich auf zwei Beispiele beschränken:

These 45 „Radioaktiver Zerfall bei Plasmatemperaturen"

Zur Altersbestimmung verwendet man die Eigenschaft von bestimmten Atomkernen, radioaktiv zu sein, d.h. mit einer spezifischen Halbwertszeit in andere Atomkerne zu zerfallen. Dieser Zerfall findet unabhängig von äußeren Umständen (z.B. Druck, Temperatur, chemischen Einflüssen usw.) statt und kann daher als zuverlässige Methode zur Altersbestimmung dienen.

In These 45 wird jedoch darauf hingewiesen, dass der radioaktive Zerfall durchaus temperaturabhängig ist und zwar bei Temperaturen von 15,4 Milliarden Grad. Daraus schließen die Autoren, dass die radiometrische Methode der Altersbestimmung nicht zuverlässig ist.

15 Milliarden Grad ist jedoch das Tausendfache der Temperatur im Inneren unserer Sonne. Bei diesen Temperaturen werden die großen Atomkerne (z.B. Uran, Blei) durch Stöße zerstört. Daher spielt Radioaktivität keine Rolle mehr. Innerhalb kürzester Zeit (Minuten) sind nur noch die Bruchstücke der Atomkerne vorhanden.

Auf der Erde hat es nie derart hohe Temperaturen gegeben, die tausendmal höher sind als im Inneren der Sonne. Die Erde wäre in Sekundenbruchteilen verdampft. Auch von Menschenhand können derartige Temperaturen nicht erzeugt werden. Sonst wäre dies ein einfacher Weg um radioaktiven Abfall unschädlich zu machen.

These 62 „Metallizität weit entfernter Objekte"

Hier geht es um das Alter und die Größe des Universums. In einem Absatz wird auf die Rotverschiebung zur Größenbestimmung des Universums eingegangen. Mit der Relativitätstheorie lässt sich die Entfernung bzw. Fluchtgeschwindigkeit weit entfernter Objekte über die Rotverschiebung (Dopplereffekt) des Farbspektrums bestimmen (ähnlich wie in einer Radarfalle). Die Autoren argumentieren, dass das Universum wesentlich kleiner ist, wenn man berücksichtigt, dass auch Bewegungen quer zum Beobachter zu einer Rotverschiebung führen. Sie nehmen an, dass das Universum sich um eine Achse dreht, die womöglich durch unsere Milchstraße verläuft. Es wird sogar auf renommierte Autoren in anerkannten Publikationen verwiesen. Und ja, diesen Effekt gibt es wirklich. Nur, er ist erst bei sehr hohen Geschwindigkeit, nahe der Lichtgeschwindigkeit, spürbar. Diesen Hinweis, der auch in den zitierten Publikationen steht, haben die Autoren jedoch geflissentlich weggelassen. Wenn sich das Universum mit einer derart hohen Geschwindigkeit drehte, würden Fliehkräfte entstehen, die unsere Milchstraße mit hoher Geschwindigkeit auseinander stieben ließe.

Diese beiden Beispiele zeigen, dass die Autoren nicht redlich vorgegangen sind. Ich habe den Eindruck, dass hier mit System gepfuscht wurde, um die eigenen Thesen zu untermauern. Die Autoren erweisen hiermit der Diskussion zwischen Wissenschaft und Religion einen Bärendienst.

Vor Beschuldigungen schützen sich die Autoren in der Schlusserklärung mit dem Satz:

„Dennoch ist unser Wissen sehr unvollständig, und es ist klar, dass diese und auch die folgenden Versionen der 95 Thesen immer noch Irrtümer enthalten können."

Irrtümer geschehen jedoch wider besseres Wissen.

Ich kann dieses Buch nicht weiterempfehlen.

Michael Mehlhorn

Eckdaten zum Buch

Titel: 95 Thesen gegen die Evolution

Taschenbuch, 254 Seiten

Autoren: Dr. jur. Dieter Aebi, Dr. med. Markus Bourquin, Prof. a. D. Dr.-Ing. Werner Gitt, Dr. chem. Ruedi Hartmann, Dipl.-Ing. Kai-Uwe Kolrep, Roland Schwab, Dipl.-Ing. Hansruedi Stutz, lic. theol. Marcel Wildi

Verlag: CLV-Christliche Literatur-Verbreitung, 1. Auflage 2009, ISBN 978-3-86699-220-7

Preis: 5,90€

Das Buch lässt sich auch kostenlos als PDF-Datei aus dem Internet herunterladen. [Downloadseite]

Eine weitere Rezession zu Diesem Buch

Der Titel, doppelbödig und provozierend, soll neugierig machen! So war es dann auch bei mir.

Der Inhalt enttäuscht dann aber nicht. Er hat mich überrascht. Ich habe ein Glaubensbekenntnis nach dem anderen erwartet. - Nein ! Es ist wissenschaftlich geschrieben. – Klar, steht ja auch drauf. Aber das ist ja nicht immer so, dass drin ist was draufsteht. So wissenschaftlich, dass ich auch mit Lexikon und Wör­terbuch so meine Mühe hatte.

Ich bin oder war kein Darwin-Fanatiker. Auch da werde ich nicht alles verstanden haben. Doch schien mir in diesem Buch alles so schön schlüssig

Doch nun ist mein Weltbild stark erschüttert.

Nur ein Beispiel, ich will ja nicht das Buch erzählen:

Prüfen wir mal auf Herz und Nieren.

Ist ein Organ nicht funktionsfähig, kann die Spezies nicht überleben.

Es gibt aber keine Hinweise auf Zwischenstadien.

Gut, die "Ur - Frage" konnte das Buch mir auch nicht beantworten. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin ?

Viele Fragen sind beantwortet, doch es tauchen neue auf.

Wir sind im Reich der Theorien! Doch für mich bedeutet dieses Buch: Am Ball bleiben.

Anmerkung des Lesers :

Die Frage, woher kommt Materie und letztlich LEBEN kann keine

Wissenschaft beantworten ! ! !

Ein Buch, interessant zu lesen, für den Laien oftmals schwierig zu verstehen.

Lutz Peter

Taschenbuch, 254 Seiten

Verlag: CLV- Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld, 1. Aufl. 2009

Preis: 5, 90 €