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Beten - ein Selbstversuch

Verfasser/in: Klaus Douglas

Das Erste, was mir an diesem Buch gefällt, ist die Tatsache, dass wir es dem losen Mundwerk des Autors zu verdanken haben. 10 Jahre, nachdem er kühn behauptet hatte, es gäbe 50 Arten zu beten, zeigte er dies auch durch das Schreiben des „Buches Beten – ein Selbstversuch“. Ich möchte gern aus dem Vorwort zitieren: „Schon unter uns Menschen ist Kommunikation ein unglaublich buntes, vielschichtiges Geschehen. Wir beschränken uns eben nicht auf zwei oder drei Ausdrucksmöglichkeiten, sondern funken sozusagen auf allen Kanälen: Wir reden, schreiben, singen, simsen, schimpfen, winken, lachen, weinen, umarmen einander usw.: Je breiter die Palette der von uns genutzten Kommunikationswege ist, desto mehr erfahren wir voneinander und desto lebendiger ist unser Gespräch

 

Und umgekehrt: Je eingleisiger unsere Kommunikation verläuft, desto langweiliger und eintöniger wird sie. Ich behaupte: Ähnliches gilt auch für unser Gebet, denn Beten ist nichts anderes als Kommunikation mit Gott. Wenn eine bestimmte Art des Betens unsere Beziehung zu Gott vertieft, ist sie auch gut für uns“. Douglas weiß darum, dass nicht jede Gebetsart für jeden Christen gleich gut ist. Ihm ist es jedoch wichtiger, zu wem wir beten. Das Wie tritt dabei etwas zur Seite. Douglas ist es wichtig, und ich will ehrlich sein, auch mir, empfänglicher für Gott zu werden. Das ist es! Darum habe ich das Buch gewählt.

Hauptteil
Stellvertretend für die vielen Möglichkeiten zu beten habe ich drei herausgegriffen und möchte sie hier vorstellen.
Da ist zuerst der Tag 7. Die Überschrift ist „An der Quelle – Beten mit der Bibel“. Ist uns eigentlich bewusst, welches Privileg wir genießen, dass wir die Bibel in der Hand halten und lesen dürfen? Noch heute steht in vielen Ländern der Besitz einer Bibel unter Strafe. Obwohl Douglas kein Anfänger im Bibellesen ist, schildert er in diesem Kapitel, dass er sie sich immer wieder mal vornimmt, als würde er sie zum ersten Mal seit langem wieder in der Hand halten. Was also kann ich tun, schreibt er, um heute meinen Nektar aus der Bibel zu saugen? Eine gute Idee, fand ich, ist die Stelle, an der Autor schreibt, er würde die fett gedruckten Stellen in der Luther Bibel lesen. Aber nicht jeder Vers wird jedem Menschen gleich wichtig. Der Blick von Douglas bleibt bei Markus 12, 30 hängen: Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften. Das, so bestätigt er, war seine Motivation zu dem Selbstversuch. Gott lässt sich finden, auch wenn er unsichtbar ist, so versteht Klaus Douglas die Bibel. Er hat zum ersten Mal seit Beginn des Selbstversuchs den Eindruck, dass Gott zu ihm gesprochen hat. Und wie wird es erst sein, so freut er sich, wenn er sich noch intensiver auf die Bibel einlässt...
Am Ende gibt er so eine Art Profil des Kapitels, eine kurze Zusammenfassung. Der Autor nennt es Portfolio. Es besteht aus Name, Erklärung, Kategorie, verwandte Formen, auf 3 gezählt usw. und dies kommt am Ende jedes Kapitels vor und hat den maximalen Umfang von einer Buchseite.


Als Zweites habe ich „Wie man sich jeden Bibeltext erschließt“ gewählt. Gott hat in meinem Leben auf vieler Weise gesprochen: durch Menschen, Bücher, Predigten, auch durch innere Eingebungen und nicht selten durch äußere Widerstände. Aber am meisten hat Gott zu mir durch dieses eigenartige Buch geredet. Die Bibel ist wie eine Goldgrube. Sie ist ein Buch, dessen Wahrheiten sich oft erst auf den 2. oder 3. Blick offenbaren. Als ihn ein Freund mal fragte, wie er beten soll, hat Martin Luther einmal eine sehr schöne Anleitung geschrieben, wie wir mit der Bibel beten können. Die Bibel, so war seine Überzeugung, ist dazu geschrieben, dass wir betend darauf antworten. Er empfahl seinem Freund darum, sich bei jedem Text, den er in der Bibel las, folgende 4 Fragen zu stellen:

1. Wofür kann ich danken?
2. Was muss ich bekennen?
3. Worum will ich bitten?
4. Was soll ich tun?

Am Beispiel der Sturmstillung (Markus 4,35-41) gibt Douglas folgende Gebetsantwort:
1. Gott, ich danke dir...
• dass du mit im Boot bist, wohin meine Lebensreise auch geht,
• dass du der Herr über alle Stürme in meinem Leben bist,
• und dass du gnädig mit meinem Kleinglauben umgehst.
2. Herr, ich bekenne dir...
• dass mir jedes Mal, wenn die Wellen ins Boot schlagen, das Herz in die Hose rutscht,
• dass ich dann Angst habe, du hättest die Dinge vielleicht nicht im Griff,
• und dass ich dich nach all den Jahren mit dir eigentlich immer noch nicht richtig kenne.
3. Vater, ich bitte dich...
• Hilf mir, wenn ich in raue See gerate,
• stärke meinen Glauben,
• und hab‘ Nachsicht mit meinem Unglauben.
4. Heiliger Geist, ich will...
• Ehrlich gesagt, auf Wunder verzichten, wenn der Preis dafür ist, dass ich vorher in Gefahr gerate.
• Ich möchte mehr vertrauen, aber ich weiß nicht, wie.
• Darum will ich, wenn ich in einen Sturm gerate, wenigstens so viel Vertrauen übrig behalten, dass ich nicht aufhöre zu beten.

Es ist erstaunlich, durch diese 4 Fragen hat der Text begonnen, zum Autor zu reden. Persönlich bin ich der Meinung, dass man anhand dieser Fragen sehr gut beten kann – gedanklich, sprachlich oder auch schriftlich.

Zu guter Letzt ist mir das Bohnengebet ins Auge gefallen. Es kommt aus Afrika. Beim Bohnengebet füllt jemand seine Tasche mit Bohnen und bei jedem Ereignis, das ihn erfreut, lässt er eine Bohne von der rechten in die linke Tasche gleiten. Abends holt er alle Bohnen aus der linken Jacken oder Hosentasche und führt sich die entsprechenden Ereignisse wieder vor Augen. Und wer keine Bohnen mag, findet sicher andere Dinge, die er dazu gebrauchen kann. Was mich bei dieser Art zu beten fasziniert, ist die verborgene Tatsache, dass es viele Gründe gibt, Gott dankbar zu sein, und dass es sich lohnt, sich diese bewusst zu machen.

Zusammenfassung
All die Gebetsformen machen klar, dass, wer will, auch einen Weg findet, um mit Gott ins Gespräch zu kommen. Gott ist da. Er wartet auf uns. Spontan hatte ich schon ziemlich am Anfang den Wunsch, mit dem Autor in einen Dialog zu treten. Was zu dem Zeitpunkt für mich bedeutete, dass das Buch auf jeden Fall interessant zu werden schien. Manche meinen vielleicht, dass man beim Beten die Hände falten und ehrfurchtsvoll vor Gott knien oder stehen muss. Dem ist nicht so. Das Buch hat mir gezeigt, dass, um es mit einer Redewendung auszudrücken, viele Wege nach Rom führen. Es hat mir auch gezeigt, dass ich keine Angst vor Sprachlosigkeit zu haben brauche. Und ich darf immer wieder neu versuchen, mit Gott zu kommunizieren, darf immer wieder neu versuchen, eigene Wege des Betens zu finden. Ich kann dieses Buch aus tiefstem Herzen jedem empfehlen, der auf der Suche ist, Gott einmal anders zu begegnen. Und wem das alles noch nicht reicht, der findet ab Seite 315 die Erwähnung von 100 Möglichkeiten zu beten. Es hat mir große Freude gemacht, das Buch zu lesen und ich kann sagen, dass es mich bereichert hat. Ich wünsche jedem Leser eben diese tiefe Freude und Bereicherung beim Lesen.

Danke!

Martina Siech
ChristLit FeG Essen-Katernberg

Das Buch ist im adeo Verlag erschienen und für 14,99 Euro erhältlich. Klaus Douglas hat Theologie und Philosophie studiert. Er war Pfarrer in Niederhöchstadt und arbeitet heute als theologischer Referent. Er ist Autor mehrerer Bücher und bekannt durch rege Seminartätigkeit in Deutschland, Österreich, Ungarn und der Schweiz.