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Das Tagebuch


Verfasser/in: Thomas Franke

Dieses Buch zu beschreiben, fällt schwer. Bevor ich es versuche aber schon einmal vorweg: ich kann es sehr empfehlen! Und man sollte Zeit haben, denn es ist nicht leicht, das 544 Seiten starke Buch aus der Hand zu legen, wenn man einmal mit dem Lesen begonnen hat...

 

Inhaltlich geht es um zwei Hauptpersonen: um den Archäologen Leon Weber, der im 21. Jahrhundert eine Ausgrabung in Frankreich leitet und um Angélique Maria Pauline de Vantes, die zu ihrem 15. Geburtstag im Jahre 1784 von ihrem Vater ein Tagebuch geschenkt bekommt. Die Verbindung der beiden besteht zunächst durch das Tagebuch, welches Leon Weber während seiner Ausgrabungen findet. Doch das Tagebuch verschwindet wieder, um kurz danach mit weiteren Eintragungen erneut aufzutauchen... Dieses Verschwinden und Wieder-Auftauchen passiert mehrmals und Leon versucht, hinter das Geheimnis dieses besonderen Tagebuches zu kommen.

Irgendwann kreuzen sich die Wege der beiden tatsächlich und diese zwei so verschiedenen Menschen, sie eine Adelige zur Zeit der französischen Revolution, für die ihr Glaube an Gott ein fester Halt ist und er, ein moderner Archäologe, der sich für einen Atheisten hält, begegnen sich.

Wer keine Fantasybücher mag, sollte nicht denken, dass dieses Buch daher nichts für ihn sei. Denn auch wenn es natürlich nicht möglich ist, dass sich zwei Personen aus verschiedenen Zeitaltern treffen, ist dies nur ein gelungenes Stilmittel, um den eigentlichen Gedankengang des Buches auf wunderbare Weise zu transportieren. Es geht um eine tiefe Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben: Woran glaube ich? Warum glaube ich?Wie viel hält mein Glaube aus?

Der Autor „malt“ mit seinen Worten auf einmalige Weise. Man kann sich als Leser wunderbar in die beschriebenen Situationen hineinversetzen, sei es ein starkes Unwetter, eine Kriegsschlacht oder die Abholung zur Hinrichtung. Seine Figuren sind intensiv beschrieben, man fühlt mit ihnen mit. Man ist selbst verwirrt und möchte das Rätsel lösen, weshalb das Tagebuch verschwindet und mit neuem Text auftaucht, man spürt förmlich, wie das Wasser der Loire über Angélique zusammen schwappt und sie in die Tiefe zieht...

Ich habe dieses Buch mit großer Freude und Neugier gelesen, finde es sehr spannend und kann Freunden besonderer Romane nur empfehlen, es ebenfalls zu lesen.

A. Czichy, Juni 2013

Thomas Franke: Das Tagebuch, 2013, Gerth Medien, ISBN 978-3-86591-751-5, 17,99 €