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Verfasser/in: Fabian Vogt

Eigentlich ist man es als normaler Mensch gewohnt, dass die Zeit unaufhörlich voran schreitet – immer in die eine Richtung: nach vorne in die Zukunft.
Der junge Max, Protagonist dieses Buches, erlebt das Unfassbare: Das allgemein gültige Prinzip der Zeit kehrt sich um.
Statt sich in die Zukunft zu bewegen, reist er plötzlich in die Vergangenheit. Jeden Morgen erwacht er genau ein Jahr zuvor.
Aber warum? Verwirrt und von selbstzweifelnden Gedanken geplagt, macht er ungewöhnliche Bekanntschaften, die ihn schließlich dazu bewegen,
sich nach Jerusalem zu wenden, um dort Jesus um Rat zu fragen.

 

 

Die Uhr am 31.12.1999 schlägt Mitternacht – eigentlich der Beginn des Jahres 2000. Nicht aber für den Protagonisten Max und den Leser. Verwirrt müssen beide zu Beginn des Romans feststellen, dass der Begriff Zeit überaus dehnbar ist. Wer hat behauptet, sie könne nur nach vorne laufen? Irrtum! Es geht auch zurück – genau wie der Titel es schon so treffend ausdrückt. Es stellt sich allerdings schnell heraus, dass sich dieses Wort nicht nur auf den Zeitverlauf anwenden lässt. Die unerwartete und ungewöhnliche Reise, die der junge Max durchlebt wird zu einer Wiederentdeckung lange vergrabener Gefühle seinerseits. Ohne Orientierung stolpert er durch die Jahrzehnte und versucht, das Rätsel zu entwirren. So wird die Reise für den Leser zu einer spannenden Suche nach Antworten und Selbsterkenntnis. Atemlos beobachtet man die zunehmende Verzweiflung des Protagonisten. Die überzeugende Darstellung der Gefühle und die realitätsnahe Entwicklung dieser im Verlauf der Handlung, können einem schon das eine oder andere Mal eine Gänsehaut über den Rücken jagen. Es ist schwer einen Leser dazu zu bringen, in der Gefühlswelt einer Figur zu versinken, aber Fabian Vogt hat diese Herausforderung grandios gemeistert. Fast sehnt man sich als Leser mehr nach Antworten als  Max selber – nur um endlich diese brennende Neugierde und Aufregung los zu werden, die Max‘ Suche wach ruft. Während Max tiefgreifender persönlicher Entwicklung, die von Verwirrung über Verzweiflung und Resignation zu dem Erkennen eines Sinns und schließlich einem konkreten Ziel führt, kann der Leser einen sehr realistisch dargestellten Prozess der Selbsterkenntnis und der Zielsetzung durchleben, der einen selber zum Nachdenken über die eigene Entwicklung anregt.
Letztendlich lässt sich das zeitliche Phänomen, das dem Roman zu Grunde liegt, nur schwer wissenschaftlich erklären, aber das ist auch nicht wirklich notwendig. An keiner Stelle des Romans fragt man sich als Leser tatsächlich nur nach einer rationalen Erklärung. Vielmehr vergisst man diese Frage schnell über die vielen anderen, die sich einem stellen. Sie werden von der bunten, interessanten Mischung aus Nebenfiguren aufgeworfen, die Max auf seiner Reise unterstützen. Die vielfältige Mischung aus teilweise vollkommen unterschiedlichen Ansichten und Weltanschauungen dieser Figuren wirft ein erfrischend neues Licht auf viele Dinge.
Aber nicht nur die nachdenkliche Seite des Romans ist lesenswert; das Buch bietet darüber hinaus einen wunderbar detaillierten historischen Kontext. Neben der farbenreichen Darstellung der historischen Umgebung und des Alltags begegnet man einigen Persönlichkeiten, die dem einen oder anderen bekannt sein könnten und erlebt diese Figuren überzeugend in ihrer eigenen Zeit eingebettet. Es wird deutlich welch großen Wandel die Gesellschaft in ihren Angewohnheiten und Überzeugungen durchlaufen hat. Es ist interessant, sich klar zu machen, was früher alles selbstverständlich war, heute aber vergessen ist oder ignoriert wird. An dieser Stelle ist besonders interessant, wie Max die frühere Selbstverständlichkeit, mit der der Glaube in das Leben der Menschen miteinbezogen und als Grundlage der Gesellschaft betrachtet wurde, wahrnimmt. In dieser Hinsicht hat sich leider viel verändert. Im Verlauf der Handlung wird der Aspekt „Glaube“ immer mehr in den Vordergrund  gerückt. Dabei geht es nicht um Theologie und Fachbegriffe, sondern um den praktischen alltäglichen Glauben, den Max immer wieder erlebt. Es geht um die Selbstverständlichkeit, mit der die Figuren Entscheidungen auf Grundlage des Glaubens treffen. Das zu beobachten ist sehr ermutigend.
Und auch die Handlung an sich ist nicht von der Hand zu weisen. Ständige Verwicklungen des Protagonisten in die Geschehnisse der jeweiligen Zeit und natürlich der oft zum Vorteil gereichende Fakt, dass Max sich in der Zeit zurück bewegt, erzeugen spannende und unerwartete Wendungen.
Kurz gesagt, ein wirklich empfehlenswertes Buch. Sowohl für die nachdenklichen als auch die handlungsorientierten Leser.

Fabian Vogt; Zurück;  € 15,00;  ISBN 9783865068958; Brendow Verlag
R. Reiter, April 2017