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Jahreslosung 2006

    Gott spricht:
Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.
Josua 1, 5b
Bild Otto K. H. Aurin    

Gott lässt dich nicht fallen - Gott hält dich fest

Seit Anfang März verschönt ein Gemälde den Eingangsbereich unseres Gemeindehauses. Die Idee, ein Bild zu der jeweiligen Jahreslosung zu gestalten ist, so weit mir bekannt ist, den Frauen des DEKO – Teams gekommen.

Das aushängende Bild hat durchweg Gefallen gefunden bei den der Gemeinde zugehörigen Leuten wie auch bei Fremden und Gästen. Aber es soll ja nicht nur Gefallen wecken, sondern auch zu den Betrachtern reden, ihnen etwas mitteilen.

Bei mehreren Gelegenheiten konnte ich meine Überlegungen und Aussageabsichten, die ich bildlich versucht habe umzusetzen, einzelnen Betrachtern erläutern. Gleichzeitig konnte ich aber auch interessante Gedanken aufnehmen, die sich die Leute schon selber gemacht hatten, und die sich allesamt gut für ein tiefergehendes Gespräch eignen. Nun bin ich jedes Mal auch gebeten worden, doch für die Allgemeinheit einige Anhaltspunkte zum Verständnis und zum Weiterdenken zu geben. Dadurch soll keineswegs die persönliche Sichtweise gelenkt werden, sondern es sollen viel mehr Anregungen zur Erfassung weiterer Bedeutungsfacetten geboten werden, um damit

▪ weitere Gesprächsanregungen zu geben,

▪ zum persönlichen Zeugnis zu animieren,

▪ Zuversicht und Stärkung durch Gottes Zuspruch zu gewinnen.

1. Jedes Bild, jeder Text, jedes Lied ist eine Zeichen, das unsere Aufmerksamkeit weckt und uns zu der Frage führt: „Was soll das bedeuten?" Das heißt, es liegt immer ein kleineres oder größeres Geheimnis hinter dem, was man sieht, hört, spürt oder sonst irgendwie wahrnimmt.

2. Bei dem angesprochenen Bild erregt erst mal die Größe der Fläche und dann die Farbe unsere Aufmerksamkeit.

3. Die Größe der Fläche ist vorgegeben und hat die Aufgabe, einen Großteil der Wand, der weißen Leere, abzudecken, womit das Bild eine rein dekorative Funktion hat.

4. Die Farbe soll das Bild vom weißen Untergrund abheben und den gesamten Eingangsbereich lebendiger wirken lassen.

5. Hier nun beginnt die gestalterische Bedeutung. Das gesamte Bild ist in eine Gelb-braun –Tönung verfasst, die uns farblich warm anspricht und Erdverbundenheit suggeriert.

Wobei man zwischen drei Bereichen unterscheiden kann:

◦ Untergrund

◦ Gegenstände

◦ Schrift

Die Farbsymbolik macht schnell deutlich, dass zwei Bereiche miteinander konkurrieren, nämlich das irdische Sandbraun und das himmlische Blau.

◦ Der Untergrund ist meliert, farblich leicht bewegt und könnte an eine Sandfläche, Steinfläche erinnern.

◦ In der Gegenständlichkeit, einige Betrachter meinten 3D – Simulation, erkennen wir, dass eine Ganzheit, ein zuvor funktionsfähiger Gegenstand zu Bruch gegangen ist. Die Bruchstücke eines Gefäßes /Kruges liegen zerstreut auf dem Boden.

Wir stellen Fragen: Wer hat den Krug fallen lassen?

Aus welchen Gründen wurde er zerschmettert? War jemand wütend oder unvorsichtig? War der Besitzer des Kruges unfähig, einen solch kostbaren Gegenstand zu halten oder hat er ihn absichtlich fallen lassen?

Nun ist er hin, die Bruchstücke sind zerstreut, als Einzelteile kaum noch zu gebrauchen. Auch lassen sie sich nicht mehr in die ursprüngliche Form zusammensetzen. Es bleiben immer Risse und Macken.

Übertragen auf unsere menschliche Situation, denn wir sind von der Erde genommene (Adam = der von der Erde genommene) heißt das, wir sind Gefallene. Die Krone der Schöpfung ist zerbrochen.

Und wir machen die Erfahrung im ganz praktischen Leben, dass wir immer wieder fallen gelassen werden. Von anderen Menschen, von unvorsichtigen Mitmenschen, von karrieresüchtigen Arbeitskollegen, von gewinnstrebenden Arbeitgebern, von egoistischen Lebenspartnern, von unbeholfenen Freunden und hilflosen Verwandten.

Dann liegen wir zerschlagen auf dem Boden. Unbrauchbar. Nicht mehr zu kitten?

6. In der Schrift des Bildes erkennen wir den Geist Gottes. Das Blau verweist auf die himmlische Sphäre, die ja teilweise auch in den Bruchstücken zu sehen ist. Wir sind eben nicht nur von dieser Welt. Immer gehören wir auch dem Himmel an.

Groß geschrieben, der Sprecher, denn er ist nicht irgendwer, sondern der Schöpfer der Welt und all dessen was darauf und darin ist.

Er lässt uns nicht fallen, sagt er im Gegensatz zu dem Ergebnis des anschaulich gewordenen Zerstörungsgeschehens. Er spricht es hinein. Und er lässt uns nicht zerbrochen irgendwo liegen.

Das ist ein ermutigender Zuspruch, das bewirkt Hoffnung, das zeigt, dass wir ihm etwas wert sind.

Dennoch haben Menschen auch immer wieder die subjektive Erfahrung machen müssen, dass sie sich von Gott fallen gelassen fühlten. Und gerade im Hinblick auf die Passionszeit und die Kreuzigung Jesu wirkt der verzweifelte Ruf seines eigenen geliebten Sohnes: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen."- dieser vorherigen Zusage entgegen.

Ja, im Irdischen, das wir vorübergehend erleben und erblicken, kann sich diese Einstellung breit machen. Auf die Gesamtheit unseres Daseins, im Hier und Jetzt sowie in der Ewigkeit, wird Gottes Zusage halten. Das ist unser christlicher Auferstehungsglaube. Gott wird die Teile wieder zusammenfügen zu einem schönen harmonischen Gefäß, das ihm zu Ehren gestaltet sein wird.

Das ist unsere Hoffnung, aus der wir leben und die wir bezeugen.

Deshalb erfreuen sie sich an dem Bild, tauschen sie weiterhin ihre Gedanken dazu untereinander aus, und lassen sie sich durch die Jahreslosung das ganze Jahr über stärken und darüber hinaus, immer wieder neu.

Otto K.-H. A u r i n 2. April 2006