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Jahreslosung 2007

    Gott spricht:
Siehe, ich will ein Neues schaffen,
jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?
Jesaja 43,19a
 Bild Otto K. H. Aurin      

Bildbetrachtung zur Jahreslosung 2007

Vorbemerkungen:

Seit einigen Tagen schmückt ein neues Bild zur diesjährigen Jahreslosung unseren Eingangsbereich. Haben Sie es schon bemerkt?

Gott spricht: Siehe ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf. Erkennt ihr's denn nicht? Jes. 43, 19a

 

 

Ein Bild hat seine eigene Sprache, eine komplexe Aussage, die nur schwer in eine Rede oder Predigt umgesetzt werden kann. Denn bei einem Bild stürzen viele verschiedene Informationen wie Farben, Formen, Gegenstände, Figuren usw. auf einmal auf den Betrachter ein, während bei einer Rede, die Worte und Gedanken in der Regel schön sortiert, nach einander dargelegt werden. Deshalb kann man bei Bildern von komplexer Information und bei Reden von linearer Information sprechen.

Jedem Betrachter eines Bildes steht es erst einmal frei zu entscheiden,

§ was er sehen will,

§ wie und welche Meinung er sich zu dem Bild entwirft,

§ auch ob er sich mit anderen Betrachter austauschen will oder nicht, und

§ ob er sich mit dem ersten Eindruck zufrieden gibt oder

§ ob er sich intensiver auf das Bild und die Thematik einlassen will.

Auch eine mögliche Absicht oder Kernaussage des Malers kann nur ansatzweise vermittelt werden, oft auch gar nicht. Der Aussagegehalt und die Bedeutung bilden sich immer im Kopf, in der Gefühls- und Kenntniswelt des Betrachters.

Deshalb gebe ich im Folgenden ein paar Impulse, die mich geleitet haben in der

§ Auseinandersetzung mit dem Thema,

§ die mir beim Erstellen des Bildes selber und

§ in der Nachbetrachtung gekommen sind.

1. Farben

Über den beschreibbaren Teil Bildes lässt sich relativ gut ein gemeinsames Verständnis finden. Das vorgestellte Bild wird von blassen grauen – blauen - grünen und braunen Farbtönen bestimmt. Das sind Farben, die uns eher auf Distanz halten. Sie vermitteln eine trübe, ungemütliche, nebelige Stimmung und erinnern uns an triste Spätherbsttage wenn sich das alte Jahr dem Ende zu neigt. Das nahende Ende drückt sich in der Natur aus, erinnert uns Menschen an das persönliche Ableben oder Ende der Zeiten. Auf dem Bild ist entsprechend kein Lebewesen auszumachen.

2. Gegenständliches

Wir erblicken in diesem Bild einen Wald, von verschieden starken Bäumen. Diese sind ziemlich gerade gewachsen, am Stamm aber kahl. Wie Säulen spreizen sie das Oben und das Unten auseinander. Am oberen Bildrand erkennen wir ein dichtes undurchlässiges Laubgewölk, am unteren eine wuchernde Moos-und Grasmatte.

Die Bäume /Stämme stehen für Menschen.

Diese Verbindung wird häufig hergestellt, wenn wir an Redensarten denken wie:

Ein Mann wie ein Baum, oder wir sprechen von einem Volksstamm, einem Stammbaum, Abstammung, einem Zweig der Familie, einem Sprössling usw.

Auch in der Bibel gibt es eine Vielzahl derartiger Vergleiche wie z.B:

§ Ps.1,3 „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen..." oder in

§ Jud. 12 „Sie sind ...kahle unfruchtbare Bäume, zweimal abgestorben und entwurzelt."

3. Bäume im Nebel

Von den kräftigeren Farben und klaren Umrissen im Vordergrund gelangen wir zu unklaren Zeichnungen, Verkleinerungen, Andeutungen, die sich im Nebel aufzulösen scheinen im Bildhintergrund.

Damit wird ein Blick zurück in die menschliche Geschichte angeboten.

In all den Jahrtausenden sind immer neue Stämme aufgeschossen und haben den Charakter des Waldes mit geprägt. Dabei kann man an Völker oder Gruppen, Parteien und Unternehmen denken aber auch an Philosophen, Religionsstifter, an Herrscher, Politiker, Lehrer, Entdecker, Forscher usw. Alle strebten nach oben, nach Macht, Erkenntnis, Einfluss und haben ein Gewölk von abgestorbenem Laub hinterlassen, das uns den Blick in den wirklichen klaren göttlichen Himmel versperrt. Ja, sie haben sich teilweise selber als Gott ausgegeben und den Himmel auf Erden versprochen.

Aber wir können von uns aus nicht zu Gottes klarem Licht gelangen. Wie es bei Hos.4,1 steht: „Höret...des Herrn Wort, denn es ist keine Treue, keine Liebe und keine Erkenntnis Gottes im Lande."

4. Grünendes Geäst

Ganz im Vordergrund erkennen wir beim genaueren Hinschauen aber etwas Wunderbares.

An einem scheinbar abgestorbenen, niedrigen Geäst haben sich Knospen und Blätter gebildet, die in ihrem frischen glänzenden Grün erstrahlen.

Der Zweig liegt auch in bedeutsamer Weise störend quer zu der allgemeinen vertikalen Tendenz. In diesem ganz massiven depressiven Umfeld bringen ein paar Blättchen etwas Neues, eine Hoffnung, ähnlich wie ein Flämmchen in der Dunkelheit.

Nicht nur einmal, wie es grundsätzlich durch die Zuwendung Gottes in Jesu geschehen ist, sondern immer wieder, in vielen Lebenssituationen, die uns ausweglos erscheinen, können wir Hoffnung haben. Denn der Zweig hat einige Knospen, die auf das Sprießen warten.

Und wem es gelingt, in der Form des Gewächses noch Hinweise auf Gottes Liebe zu sehen, dem können sich weitere Einsichten eröffnen.

5. Lichtstrahl

Aber woher kommt das erfrischende Aufknospen und Austreiben?

Heben wir den Blick nach oben, erkennen wir, wie zwischen der dichten, absterbenden Laubdecke hindurch ein Lichtstrahl eine Lücke gefunden hat, der sich genau auf den Zweig richtet. Nicht durchgehend, wie ein Laserstrahl, aber klar in der Ausrichtung und kraftvoll anregend.

Das wahre Licht, die Wirklichkeit Gottes, die über unserer

menschlichen Vorstellungswelt liegt, findet immer wieder einen Weg

zu den Menschen allgemein und in unser ganz persönliches Leben.

Gott ist der Handelnde in unserem Leben und in der Geschichte der Welt. Er lässt Neues werden. Halten wir uns wach und aufmerksam, damit wir es erkennen, denn das stärkt uns und gibt Hoffnung für unsere Zeit auf Erden und danach.

Damit ist bei weitem nicht alles gesagt, aber ich hoffe, ein paar Anregungen gegeben zu haben. Ich wünsche, dass dem ein oder anderen bei der Betrachtung durch das Jahr hindurch, die Predigt des Bildes eine Hilfe sein kann.

Otto K.-H. A u r i n

Zur Gottesdiensteinleitung am So. 25. Februar 2007