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Jahreslosung 2009

    Was bei den Menschen unmöglich ist,
das ist bei Gott möglich.
Lukas 18, 27 
an diesem Bild waren
Samira Erlach,Tabita Rakowsky
u. Otto K. H. Aurin beteiligt.
   

Blumen der Hoffnung

Liebe Geschwister, liebe Freunde,

wir haben in diesem Jahr 2009 zum vierten Mal ein Jahresbild in unserem Eingangsbereich ausgehängt. Jahresbild meint den Versuch, das geschriebene oder gesprochene Wort der Jahreslosung in einer bildlichen Darstellung wiederzugeben, so dass der gedankliche Inhalt eine anschauliche Form erhält. Damit wird die Botschaft in zweifacher Form, nämlich in Wort und Bild weitergegeben.

 

 

Einige Hinweise sollen Sie dazu verführen, das Bild genauer zu betrachten, die Aussage zu vertiefen und zu eigenen Gedanken anzuregen.

Dieses Bild ist eine Gemeinschaftsproduktion von Tabitha Rakowsky, Samira Erlach und meiner Person.

Tabitha malt gerne und etliche eigene Werke zieren die Wände des elterlichen Hauses. Eines ihrer Bilder wird als Gruß- & Kunstkarte beim Deutschen Kinderschutzbund verlegt.

Samira hat ebenfalls Freude am Malen und bastelt gerne. Auch sie hat schon viele nette Geschenke und Überraschungen für den Familien- und Freundeskreis geschaffen.

Für dieses Jahresbild haben wir uns mit dem Aussagegehalt der Jahreslosung befasst und gemeinsam nach einer geeigneten bildlichen Ausdrucksform gesucht.

Von Samira kam der Gedanke, der großen wunderbaren Blume auf dem Berg, die sofort die Blicke der Betrachter auf sich zieht. Doch gleich taucht auch die Frage auf, und ich habe sie schon einige Male vernommen: „ Was soll diese riesige Blume auf dem kleinen Berg?- Irgendwie scheinen die Größenverhältnisse nicht zu stimmen."

Genau das ist der Punkt, sagt uns Samiras Gedanke. Was uns unmöglich, unpassend, unüblich, unausgewogen, nicht in der gewohnten Relation erscheint, das ist bei Gott möglich. Unsere Phantasie ist gefordert, damit wir uns über unsere menschlichen Grenzen hinauswagen. Und das herrlich leuchtende Rot der Blume weckt in jedem Betrachter die Hoffnung, dass dies wirklich wahr werden kann.

Tabitha hat fünf Menschen und drei Blumen auf dunklen grauen Steinen gemalt.

Die Menschen befinden sich auf einem Weg, der den Berg hinauf führt, der wunderbaren Blume ‚Hoffnung' entgegen. Vier dieser Menschen sind farblich gleich in braun-gelb gemalt, einer in Blau.

Ein Sonderling, einer, der aus der Reihe fällt, der nicht in unser Schema passt. Aber Gott passt er, so wie er ist, in seinem blauen Mantel, weil Gott alle Menschen liebt, drückt Tabitha damit aus.

„Aber das kann doch nicht sein", sagt uns unsere menschliche Vernunft, „Gott kann doch nicht alle Menschen gleich lieb haben, den Verbrecher wie den Pastor, den Mörder wie den Sozialarbeiter, den Faulenzer wie den Manager, den Ausländer wie den Einheimischen." Das geht uns zwar gegen den Strich, aber bei Gott ist das so, und uns wird es möglich, wenn wir uns von Gottes Liebe bestimmen lassen. So wie aus den trockenen, harten Steinen frische, bunte Blumen sprießen, so kann Gott seine Liebe in jedem Einzelnen und zwischen den Menschen aufgehen lassen.

Lenken wir unsere Aufmerksamkeit noch auf den Hintergrund des Bildes. Dort erkennen wir verwirrende geometrische Figuren und seltsame Ziffern in unverständlicher Reihung; und in diesem pastellflimmernden Luftraum erscheint das Wort der Jahreslosung in zwei getrennten Feldern: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich."

Unser menschliches Bestreben ist es von Beginn an, die Welt, das Leben, die Zeit in den Griff zu bekommen. Wir versuchen die Welt- und Lebensgesetze zu durchschauen, sie in geordnete Systeme einzufügen, schön in Kästchen, Bereiche, Statistiken, Abfolgen, zu sortieren. Und was sortiert ist, haben wir in der Gewalt, das unterliegt unserer Kontrolle.

Doch was müssen wir uns aus vielen harten persönlichen und menschlichen Erfahrungen ehrlicher Weise eingestehen? Unsere menschlichen Ordnungssysteme lösen sich immer wieder auf, was wir mit den Händen aufbauen, reißen wir mit dem Hintern ein, sagt ein alter Handwerkerspruch. Und der deutsche Barockdichter Andreas Gryphius schreibt: „Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein."

Doch wir Menschen halten gerne an unserem augenblicklichen Erkenntnisstand fest, klammern uns verbissen an Zahlen und Daten, Ideologien und Traditionen. Ja, wir versuchen sogar, Gott selbst in den Griff zu bekommen, in dem wir ihn verstehen, erklären, be- und verurteilen, leugnen oder beweisen wollen. Doch in der Reihe der geraden Zahlen taucht ohne erkennbaren Grund eine ungerade Zahl auf. In den sorgfältigsten Berechnungen gelingt die Quadratur des Kreises nicht, werden Linien krumm, so wie ein ungeplantes Ereignis in unser Leben einbricht und alles Geordnete und Geplante durcheinander wirbelt. Für uns ist das oft ein Grund zur Verzweiflung, für Gott eine Möglichkeit. Gott hat immer eine Möglichkeit mehr als wir denken.

Manchmal kommen wir an unsere menschlichen Grenzen wie an den letzten Zipfel einer Landzunge und können es uns nicht vorstellen, dass es hinter dem Horizont weitergeht. Dafür steht die liegende Acht, das Zeichen der Unendlichkeit. Wir können das als Menschen nicht fassen und verstehen, aber für Gott ist das möglich. Dafür haben wir Zusagen in seinem Wort.

Verlassen wir uns also nicht nur auf unsere Einsichten und Fähigkeiten, so gut und notwendig sie auch sein mögen, Gottes Pläne mit einem jeden von uns, mit der Geschichte der Menschheit und der Welt folgt anderen Gedanken.

Vertrauen wir auf Gottes Möglichkeiten, so wie aus Steinen Blumen wachsen, die zu einer großen Hoffnung werden können. Gott meint es gut mit uns, er ist für uns.

Wir wünschen allen noch einige weiterreichende und ermutigende Gedanken bei der Betrachtung des Bildes.

Otto K.-H. A u r i n Waltrop, 8. Febr. 2009