FeG EK - miteinander leuchten wir heller

Jahreslosung 2010

    Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich.
(L) Johannes 14, 1

Einige Gedanken zum Jahresbild 2010

Die 5jährige Tradition der Jahresbilder in unserer Gemeinde soll dazu dienen, das geschriebene Wort der jeweiligen Jahreslosung bildlich so umzusetzen, dass die biblische Aussage in unseren Vorstellungen anschaulicher und fester verankert wird.
 Bild Otto K. H. Aurin    

Richtig festgemacht?

Das diesjährige Jahresbild besteht aus einem einfachen , idyllischen Motiv. Ein Boot liegt, mit einem kräftigen Tau an einem massiven Poller festgemacht, in ruhigem Hafengewässer. Am schmalen Himmelsstreifen sammeln sich bedrohlich wirkende dunkle Wolken.
In den großen Häfen wie auch an nahen Fluss- und Seeufern, lässt sich dieses Motiv unschwer entdecken und in vielfältigsten Variationen betrachten. Doch immer neu bewegt es uns und spricht es uns an, weil dieses Bild eine tiefe Zuversicht in uns wecken kann. Denn zwei gegensätzliche Urerfahrungen treten in komprimierter Weise gemeinsam auf.
Einmal die Unsicherheit, die das natürliche Element Wasser in sich trägt. Damit verbinden wir Bewegung, Freiheit und Abenteuer aber auch Unsicherheit und Gefahr. Nicht umsonst wird seit jeher unser Dasein auch als ein Fahren über das Meer des Lebens verstanden.


Zum anderen die Sicherheit, Ruhe und Geborgenheit, die ein Hafen verspricht, in dem ein Schiff an einem stabilen Poller fest gemacht wird.
So wird auch das einzelne menschliche Leben und das von Gemeinschaften und ganzer Staaten gerne mit einem Boot oder Schiff verglichen, das sich auf dem unruhigen Meer der Zeit oder des Lebens bewähren muss. Mythen vieler Völker greifen diese Thematik in vielfältiger und tiefsinniger Weise auf, wie z.B. die „Odyssee“ der Griechen oder „Die acht Heiligen“ des Taoismus.
Bekannterweise wird dieses Motiv auch in auch in biblischen Geschichten für grundlegende Aussagen mehrfach herangezogen, wie z.B. in der Jona- Erzählung oder in den Berichten über das Leben Jesu und seiner Jünger am See Genezaret.
Auf die diesjährige Jahreslosung bezogen soll dieses Motiv auch uns zu einigen Überlegungen anregen:
1. Das Boot liegt gut gesichert in einem Hafen. Vor dem sich ankündigenden Unwetter braucht sich niemand zu ängstigen, es erscheint nur als schmaler Streifen am oberen Bildrand. Diese Idylle kann trügerisch sein, denn Erfahrungen zeigen, dass Schiffe von der Gewalt eines unerwarteten Sturmes losgerissen werden können oder dass Stege und Poller, veraltet und morsch, nicht mehr den Halt bieten, den man sich erhofft. Manchmal werden aber auch Schiffe nicht richtig festgemacht, weil die falsche Anlegestelle gewählt oder weil das Schiff fachlich nicht richtig vertäut wird.
Man kann sich fragen:
Wie und wo ist mein Lebensschiff festgemacht? Schrecken mich die Wetter der
Zeit? Wie stark irritieren mich die verschiedenen Strömungen der Gegenwart, und
wie kann ich Sicherheit gewinnen?
2. Der Poller ist massiv gesetzt und garantiert einen sicheren Halt im Meer der Zeit. Er verkörpert geradezu Sicherheit und Zuverlässigkeit, so wie es der Prophet Jeremias in Bezug auf Gott bezeugt: „Gesegnet, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist.“ (Jer. 17, 7) Gott ist der Ursprung und das Ziel allen Seins und Lebens. Er ist für uns Menschen der ruhende Pol. Da muss man nicht laufend ängstlich nachjustieren und achtgeben, ob der Poller auch wirklich hält. Der hält.
3. Das Tau wirkt ebenfalls vertrauenerweckend reißfest und flexibel. Es ist gekonnt und sicher mit dem Poller verknotet und sichert das Schiff in zuverlässiger Weise. An dieser Stelle lassen wir den Apostel Paulus zu Wort kommen, der an seinen Schüler Timotheus über den richtigen Halt in Jesus Christus schreibt: „Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“ (1.Tim. 2, 5) Christus ist die feste Verbindung zu Gott, auf die wir uns verlassen können. Ja, die er erst wieder hergestellt hat, nachdem wir Menschen unsere Verbindung zu dem Pol, der uns Halt und Orientierung auf dem Meer des Lebens geben will, gelöst haben. Der Begriff „Religion“ kann auch auf lat. religare = sich „an-, oder zurückbinden“ zurückgeführt werden. Vertrauen wir dieser Verbindung oder versuchen wir uns immer wieder an irgendwelche anderen Dinge oder Erscheinungen anzubinden?
4. Wenn wir das Bild eingehender betrachten, stellen wir fest, dass nur etwa ein Fünftel der Bildfläche mit Gegenständlichem aus der sogenannten realen Welt belegt ist. Wo auch die gelb-bräunlichen Farben vorherrschend sind. Den weitaus größten Teil der Bildfläche bedecken Spiegelungen sich in Form von Schlangenlinien, Farbfetzen und –klecksen sowie leichte Wellenbewegungen im blauen Farbspektrum bewegen. Gerade diese Spiegelungen drängen unseren Blick in die Tiefe. Dieses verwirrende und schöne Spiel mit den Formen und Farben verweist aber auch auf einen bedenkenswerten Inhalt. Wir erkennen, wie die scheinbar gesicherten Formen auseinanderfallen, wie das einfache Motiv demontiert und verfremdet wird. Auch diese Erscheinung können wir in der natürlichen Umgebung problemlos beobachten und uns unsere Gedanken dazu machen. Wir können uns die Frage stellen, ob nicht damit ein viel ehrlicheres Bild unseres Lebens ausgedrückt wird. Wie stark sind wir als Menschen unserer Zeit und als Christen in den Prozess dauernder Veränderung hineingeraten, fortwährender Bewegung, Zergliederung, Verzerrung. Was hat noch Bestand? Worüber lassen sich noch gesicherte Aussagen machen? Was hält allen Kritiken stand? Welche Werte und Gewissheiten gelten noch?
Ist Gott zu einem Zerrbild geworden? Wird unsere Christusbild nur noch von Wellenbewegungen der Zeit bestimmt? Ja, verstehen wir uns selbst vielleicht nur noch als Farbfetzen in einer Scheinwelt? Schon Paulus hat in 1. Kor. 13, 12 geklagt: „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein (dunkles) verwirrendes Bild, wir erkennen nur stückweise, bis uns einmal die wahre Erkenntnis von Gott geschenkt wird.“ Verstehen wir Paulus?
Lassen Sie ihren Gedanken und Phantasien freien Lauf bei der Betrachtung des Bildes und hören Sie auf das mahnende und ermutigende Wort des Jahres:
Jesus spricht: Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Otto K-H. Aurin, Jan. 2010
Design by Schultz