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Jahreslosung 2012

    Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
(L) 2. Korinther 12,9
Bilder der Collage von
Otto K. H. Aurin  u. Tobias Schultz
   

Verkündigung zur Jahreslosung 2012
2. Kor. 12,9 am: 05. 02. 2012

Liebe Geschwister, liebe Freunde,

1. Zum Jahresbild (4 Beispiele)

    a) Ein zartes Pflänzchen schiebt
sich nach einer harten
Frostperiode und Schnee
vorsichtig durch die feste Erde
ans Licht. Ein Zeichen der
Hoffnung, was abgestorben
erschien, lebt wieder auf. 
     
     b) Unbeholfen wagen sich
hilflose Entenküken, die noch
kaum Kraft haben, keine
Erfahrungen und Geschicklichkeit
besitzen unter den
wachsamen Augen der Mutter
ins Wasser. Ein Beispiel für
Urvertrauen der Schwächsten in
einer Welt voller Gefahren.
     
     c) Ein kleines Guckloch in einer
gesicherten Gefängnistür bildet
die Verbindung zwischen den
Mächtigen und den Schwachen,
zwischen Freien und Gefangenen,
zwischen Folterern und
Gequälten. Doch in kurzer Zeit
könnten die Perspektiven und
Rollen wechseln. Der Herr
schafft Recht den Schwachen.
     
     e) In einer Umwelt, in der die
Frage nach Gott immer
belangloser wird, das Wort Gottes
verrissen und verhöhnt wird,
Kirchen und Gemeindehäuser
verkauft und Gemeinden
zusammengelegt werden, halten
Menschen im Gebet die
Verbindung zu Gott. Sie vertrauen
bei aller Schwachheit auf Jesu
Wort: Ich bin bei euch.

2. Erklärung und Bedeutung
Diese vier Beispiele, ausgewählt aus unserer Fotokollage, die im Eingangsbreich als Jahresbild 2012 zu sehen ist, sollen zum Betrachten und Nachdenken anregen. Nachdenken, also nicht einfach einen Blick darauf werfen und es gut oder schlecht finden, sondern zu einem späteren Zeitpunkt, noch Zusammenhänge erkennen und Einsichten gewinnen.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, sagt man, aber es bedarf oft mehr als tausend Worte, um den Inhalt und den Aussagegehalt eines Bildes zu erfassen und weiterzugeben.

3
Hier sind es zwölf Bilder/Fotos, die uns durch das Jahr begleiten sollen. Sie veranschaulichen alle ein Thema, nämlich das Wort der Jahreslosung:
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Die Kollage soll durchaus zum kreativen Umgang anregen, um im Laufe des Jahres das ein oder andere Bild für eine intensivere Betrachtung zu einer Andacht, Einleitung zum Gottesdienst, oder einer thematischen Abhandlung heranzuziehen. Die Fotokollage wurde von Jenny Blaskowsy, Heinz und Tobias Schulz, sowie meiner Wenigkeit entworfen und mit den Fotos ausgestattet. Wir wünschen, dass sie uns allen zum Segen wird.

3. Bilderwelten
a) Bilder der Stärke und Schwäche (Wertverlust)
Aus den Medien sind wir andere Bilder gewohnt. Da sehen wir häufig kraftstrotzende Sportler in Siegerpose, strahlende Politiker und Manager im Blitzlichtgewitter, sonnengebräunte Touristen an silbernen Stränden, lässige, lebensfrohe, gestylte Models und Schauspieler bei Empfängen und Preisverleihungen.
Sie haben alle ihr Leben im Griff, so sieht es nach aussen hin aus.
Ihr Motto: Bloss keine Schwäche zeigen.
Denn jede Schwäche wird wiederum von der Umwelt und den Medien gnadenlos ausgeschlachtet. Ein tausendstel Sekunde zu langsam, eine Frage nicht richtig beantwortet, einmal nicht richtig getroffen, ein kleiner Fehltritt und vorbei ist es mit der Stärke, mit der Wertachtung. Der Marktwert ist dahin.
Dann hat man nicht nur das Rennen oder das Spiel verloren, sondern seinen Wert als Mensch.
b) Doping für die Stärke
Deswegen ist es unheimlich anstrengend, sich auf dieses Konkurrenzspiel einzulassen. Denn wer hat keine Schwächen oder Mängel. Und wenn man diese Mängel fortwährend kaschieren, verheimlichen, überspielen, kompensieren oder gar leugnen muss, kostet das viel Kraft.
Und wer diese Energie aus sich selber schöpfen muss, keine anderen seelischen oder körperlichen Kraftquellen hat, sieht sich irgendwann gezwungen, zu kraftspendenden Mitteln zu greifen, seien es Psychopharmaka oder Dopingmittel, die den selbst gewählten Weg in den Ruin eigentlich nur bis zum Ende fortsetzen. Beispiele dafür finden sich serienweise in allen Sparten unseres gesellschaftlichen Lebens. Über 10% der Studenten nehmen Ritalin und andere tlw. nicht zugelassene Substanzen, um ihre Leistungen zu verbessern, sich vor Depressionen und nervösen Störungen zu schützen. Das trifft ebenso auf weite Bereiche der Arbeitswelt zu wo Alkohol und Tabletten mehr oder weniger bedenkenlos zur Leistungsmaximierung eingenommen werden.

4. Wir Christen haben es gut
Unsere Schwächen
Da haben wir Christen es aber gut, könnten wir aufatmend feststellen. Auf solch einen ruinösen Lebensstil brauchen wir uns gar nicht einlassen. Denn die Freude am Herrn ist unsere Stärke (Neh. 8,10) Ein vielversprechendes, ein starkes Wort.
Doch dann betrachten wir unser christliches Alltagsleben und stellen fest, wenn wir ehrlich mit uns selber sind, dass wir durchaus noch in dieser Welt leben und von Depressionen, Leistungsabfall, zermürbenden Konkurrenzkämpfen, Zank, Problemen, Schmerzen und körperlichseelischer und geistiger Hinfälligkeit auch als Christen nicht verschont bleiben.
Dass auch wir keineswegs so sicher und unumstößlich im Glauben stehen, wie wir es unseren Mitmenschen gegenüber gerne vertreten. Auch wir kennen Zeiten, in denen wir auf Andacht und Gebet verzichten können, und wir den Gottesdienst uns mehr aus Pflicht als aus Freude besuchen. Auch wir kennen Gelegenheiten, in denen wir Versuchungen nicht standhalten, in denen Zweifel , Kritiklust und Enttäuschungen uns ergreifen.
Bin ich deswegen kein richtiger Christ? Meine ich es mit der Nachfolge nicht ernst genug?

5. Schwächen biblischer Vorbilder
Sehen wir uns biblische Biografien an, haben wir keine Mühe, große Vorbilder des Glaubens in ihren schwachen Zeiten aufzufinden. Sei es Abraham, Mose, Elia, Jesaja, David oder viele andere. Die Bibel verschweigt die Schwächen nicht und kommt uns Menschen damit ganz nahe. Es handelt sich dabei um keine Heldensagen, sondern Geschichten menschlichen Versagens und Unvermögens und göttlichen Handelns trotz
aller Schwächen.
a) Denken wir an Johannes d. Täufer. Mit welch starken Worten hat er gepredigt, mit welcher Konsequenz hat er in der Wüste gelebt, mit welcher Glaubensüberzeugung hat er getauft, wie mutig die Mächtigen seiner Zeit kritisiert und Jesus als den Messias bekundet. Und dann im Gefängnis überfallen ihn die Zweifel. Obwohl er schon von den“Werken Christi“ gehört hat, die Frage an Jesus: Bist du der, dem ich ich den Weg geebnet habe?
Und Jesu Antwort fällt auf den ersten Blick enttäuschend aus. Kein entschiedenes Ja, kein klärendes Nein. Keine Wundertat, die dem Freund und Wegbereiter die Ketten gesprengt und die Gefängnistür geöffnet hätte.
„Geht hin und sagt dem Johannes was ihr seht und hört… und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.“ (Matth. 11,1-6) Jesus liefert keine umfangreichen Begründungen und Erklärungen, sondern er verweist auf die Erfüllung alter prophetischer Verheißungen (Jes. 35,5f; 29,18f; Ps.146 u.a.). Dabei geht es gar nicht um die Wunder, sondern um die Hinwendung Gottes zu den Schwachen: Blinden, Lahme, Aussätzige,Taube, Arme, - man darf das Textzitat ergänzen: Sünder, Ehebrecher,Gefangene, Diebe und Mörder. Gott ist bei allen Schwachen und bei uns in unserer Schwachheit zugegen in Jesus. Auch bei Johannes in dessen verzweifelter Lage. War das eine befriedigende Antwort für Johannes? Die Bibel berichtet darüber nichts.
Doch Jesus unterstreicht in der Rede über Johannes dessen Berufung und dessen Glauben. Gottes Stärkung bewahrt ihn davor, ein schwankendes Rohr im Wind zu werden.
b) Denken wir an Paulus, der in der Erscheinung Christi vor Damaskus ein dramatisches und überzeugendes Bekehrungserlebnis hatte. Wie er danach voller Glauben und Kraft missioniert hat und welchen Gefahren und Leiden er ausgesetzt war. Doch auch er gerät in Situationen der äußeren wie inneren Schwäche, des Zweifels und der Anfechtung. „Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großen Zittern.“,schreibt er den Korinthern. „Seine Briefe wiegen schwer, aber wenn er selber anwesend ist, wirkt er schwach und kläglich.“, wird ihm vorgeworfen. Dass, das Evangelium aber trotzdem verkündigt und angenommen wird, dass sich Gemeinden bilden, schreibt Paulus allein der Kraft Gottes zu, die sich seiner Schwächen bedient. Das ist die Erkenntnis aus seinen eigenen jahrelangen Glaubenserfahrungen. Gott ist in den Schwachen mächtig.
Wenn Paulus auf seine verzweifelten Gebete, in denen er Gott sein Leiden an seinen Schwächen unterbreitet, die Antwort erhält: Laß dir an meiner Gnade genügen, dann erscheint uns die Antwort auf Anhieb so vage wie die, die Johanes d.T. von Jesus erhalten hat. Und doch ist es die Antwort, die auf die Stärke Gottes verweist, die unseren Glauben, unser Vertrauen fordert.

6. Worin liegt aber die Kraft, der Trost, die Hilfe der Gnade?
Paulus führt dies im Römerbrief selber aus. (Röm 8,26)
Der Geist nimmt sich unserer Schwachheit an.
Denn wir wissen nicht wie wir in richtiger Weise beten sollen. Der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.
Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist. Und somit tritt der Geist für die Heiligen ein, so wie es Gott gefällt.
Paulus gibt uns damit die Richtung an. Wir dürfen uns und Gott unsere Schwächen eingestehen. Wir dürfen, wir sollen los lassen. Wir brauchen nichts zu erzwingen, dürfen es ihm überlassen. Er kann die Herzen und Gedanken der Menschen bewegen, er kann die Dinge ändern, er kann Situationen so umgestalten, dass wir dabei stehen und nur noch staunen können. Er kann in Not und Schmerz helfen, wo uns die Hände gebunden sind, und unser menschliches Wissen und Können nicht ausreichen.
Solange wir selber unsere Stärke beweisen wollen und auf das setzen, was wir alles haben und können, werden wir aus dem anfänglich beschriebenen Teufelskreis nicht herausfinden.
Darum will sich Paulus am liebsten seiner Schwächen rühmen und nicht seiner Erfolge und Stärken, damit die Kraft Christi in ihm wohne.

7. Ein Lebensentwurf für uns??
Ist das ein Lebensentwurf, der für uns Verbindlichkeit erlangen könnte, der uns Mut macht zum Glauben. So dass ein jeder für sich sagen kann: Ich bin guten Mutes trotz all meiner Schwachheiten und ärgere mich nicht darüber und klage nicht, sondern lege sie Gott ans Herz und warte darauf, was er daraus macht und er wird das Richtige und Gute daraus machen, weil „Wir wissen, dass uns alle Dinge zum Besten dienen.“ (Röm. 8,28) Gott schenke uns die innere Freiheit und den Mut zu dieser Glaubenshaltung, damit wir ihn wirklich täglich neu erfahren und im Glauben wachsen und reifen.
Amen

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