FeG EK - miteinander leuchten wir heller

Jahreslosung 2013

    Wir haben hier keine bleibende Stadt,
sondern die zukünftige suchen wir.
Hebr. 13,14 (L)    
 Bild Otto K. H. Aurin    

Bildbetrachtung zur Jahreslosung 2013

(Was bleibt?)

Liebe Gemeinde!

Auch wenn dieses neue Jahresbild die Blicke auf sich zieht, so soll es doch nicht im Mittelpunkt des heutigen Gottesdienstes stehen. Im Mittelpunkt eines jeden Gottesdienstes steht Christus, der zu uns redet in vielerlei Weise (Hebr.1,1). Am heutigen Sonntag durch ein Bild. Aber nicht dadurch allein. Jesus hat seine Gleichnisse, die man ja als „gemalte Worte“ (Metaphern, Sprachbilder) verstehen kann, erläutert, damit die Leute die darin liegende Botschaft verstehen konnten. So will auch ich heute die Botschaft durch das Bild weitersagen. Der Herr öffne uns dazu Ohren, Augen und Herz.

Wort und Bild

1. Das Wort

Dieses siebente Jahresbild, wie alle vorherigen auch in dem Format von 120 x 80 cm, soll die Jahreslosung veranschaulichen und diese damit fester in unserem Bewusstsein und unserer Vorstellungswelt verankern. Wort und Bild sollen aufeinander bezogen sein.

1.a) Sehen wir uns also zuerst das Wort an. Der Satz der Jahreslosung findet sich im Hebräerbrief, der vmtl. von Apostel Paulus an eine überwiegend judenchristliche Gemeinde um das Jahr 60 herum geschrieben worden ist.

Dies Feststellung des Apostels stellt in knappster Form zwei Lebensentwürfe gegenüber.

1.b) Im ersten Teil des verneinenden Satzes geht es um das

- Hier und Jetzt

- Haben

- Bleiben

- und die Stadt

Diese Merkmale kennzeichnen Menschen, die im Hier und Heute leben, danach streben ,möglichst viel zu gewinnen und zu haben und dieses auch festhalten möchten. Menschen, die die Anonymität der Stadt, aber auch die Sicherheit und vielfältigen Angebote und Chancen städtischen Lebens schätzen.

1.c) Im zweiten Teil dieser Formulierung schwingt eine Aufforderung vielleicht auch Mahnung mit in:

- Zukunft

- Suchen

- Stadt

Menschen, auf die sich Begriffe festlegen, blicken in das Unbestimmbare, Werdende. Sie haben es noch nicht und sind durchaus verunsichert, sind auf der Suche, in der festen Gewissheit (Glauben), auf die ewige Stadt zuzuleben.

1.d) Der Kontrast/ Gegensatz dieser christlichen Lebenshaltungen wird durch das Wörtlein „sondern“ gebildet.

1.e) Als zentraler Begriff wird das Wort „Stadt“ genannt. Ursprünglich stammt dieser Begriff vom mhd. „stat“ ab und konnte ‚Stelle, Ort, Aufenthalt, Wohnort’ bedeuten. Ich war im Zweifel, ob in der Lutherbibel wirklich die Stadt als Ansammlung vieler Bürger mit Rechten und Pflichten gemeint war, oder nur eine „Stätte“. Da im lateinischen Bibeltext nicht municipium (Landstadt) oder colonia (Koloniestadt) steht sondern der Begriff „Civitas“ verwendet wird, konnte ich davon ausgehen, dass Paulus tatsächlich eine Stadt im bekannten rechtlichen und sozialen Sinne meint. Es geht demnach nicht nur um unsere persönliches Dasein und Sterben, sondern um die grundsätzliche Einstellung, mit der wir Christen in dieser Welt leben können und sollen.

 

2. Das Bild

Werfen wir nun einen Blick auf das Bild, dann stellen wir fest, dass auch hier Kontraste eine wesentliche Rolle spielen.

2.a) Statik und Dynamik

- Augenfällig ist der Kontrast von Stillstand und Bewegung oder Statik und Dynamik.

Während der Bildrand rundum durch das unstrukturiert aufgetragene Blau und Weiss, den Eindruck von chaotischen Bewegungen vermittelt, was an Wasser /tobendes Meer oder Wolken erinnern, stehen in der Bildmitte ausgewogen konstruierte und kombinierte Farbflächen, die uns an ein Häusermeer denken lassen.

„Die Wolken sehen aufgewühlt aus, als ob es dort sehr windig ist.“, formuliert Petra Sager in ihrer Betrachtung.

Und Martina siech sieht: „Die Wolkendecke war vorher geschlossen und jemand hat sie aufgerissen und dadurch die Häuser entdeckt.“ E n t d e c k t kann man hier wohl im wortwörtlichen Sinne von aufgedeckt verstehen.

2.b) Aber was besagt dieser Kontrast? Stellt er eine Gefährdung dar? Soll er uns verunsichern oder aufrütteln?

Nun, die Hebräer schienen sich als Christen mit jüdischen Hintergrund in der Welt, einer großen Stadt, in der sie lebten, eingerichtet zu haben. Man weiss allerdings bis heute nicht genau, in welcher Stadt sie zu suchen sind.

Sie hatten zwar vorbildliche Lehrer (Hebr. 13,7), sie haben in Verfolgung Standhaftigkeit bewiesen (Hebr. 10,32-34), und sie haben viele gute Werke der Liebe getan (Hebr. 6, 10), aber sie sind in der Erkenntnis der Schrift und Gottes nicht weiter gewachsen, sie sind unsicher geworden in der Unterscheidung zwischen Gut und Böse (Hebr. 5, 14), sie lassen sich nicht mehr belehren, sind harthörig geworden (Hebr. 5,11). Zu viele verschiedene Meinungen und Geistesrichtungen haben sie verunsichert.

Ist das auch eine Gefahr, in der wir heutzutage stehen? Ein Problem des modernen urbanen Lebensstils?

2.c) Was finden wir in der Bibel über das Phänomen Stadt? (Exkurs)

Aus biblischer Sicht stellt die Stadt eine deutliche Gefährdung dar, weil in ihr der menschliche Größenwahn und das Machtstreben regieren, die Abgötterei, Gesetzlosigkeit und Untreue (Hurerei im weitesten Sinne) sich festsetzen.

So finden wir schon in den frühen biblischen Erzählungen, dass Nimrod:„ ... der erste war, der Macht gewann auf Erden.“(1. Mos.10,8) Er baute so berühmte Städte wie Babel (Turmbau), Ninive und Resen („Das ist die große Stadt.!“ V.12) Wir lesen später von den sündigen Städten Sodom und Gomorra, die wegen ihrer Abgötterei ausgelöscht wurden. So können wir durch die ganze biblische Geschichte hindurch die Schicksale der verschiedensten Städte kennen lernen über Jerusalem, Rom bis hin zur letzten irdischen Großstadt, der Hure „Babylon“, „ die an vielen Wassern sitzt.“ (Offb 17, 1).

Und die Wasser sind Völker und Scharen und Nationen und Sprachen (V.15). Und diese untreue Abgöttin ist: „…die große Stadt“. (V.18)

Wenn wir uns unsere heutigen Weltmetropolen (Mexico City, Shanghai, Peking, Istanbul, Karatschi) vor Augen halten, sehen wir, wie weit vorausschauend die prophetische Sicht der biblischen Weltgeschichte reichte. Wie konnte sich ein Prophet vor tausenden von Jahren die Weltbevölkerung schon in solchen Massen vorstellen?

So legt Heinz Kofalk in seiner Betrachtung dar: „Es ist sowieso bald alles vorbei! Erderwärmung, Gletscherschmelze … die Wassermassen türmen und ergießen sich über einen großen Teil der Erde. Alles droht zu versinken.“

Die Welt wird zu einer großen Stadt (Urbanisierung der Welt.) Wir Christen stehen in der fortwährenden Gefahr, wie die Hebräer, uns in dieser Weltstadt so bequem wie möglich einzurichten. Ihren vielfältigen verlockenden Angeboten zu erliegen, die göttlichen Maßstäbe zu verlieren und den Verführungen ungöttlicher Zeitgeister zu folgen, überschwemmt zu werden von wichtigen und noch mehr unwichtigen Informationen (Informationsflut)

Vor dieser Gefahr warnt der Schreiber des Hebräerbriefes in eindringlicher Weise. Und diese Warnung sollten auch wir ernst nehmen.

2.d) Weitere Kontraste (Anregungen)

Betrachten wir den Innenteil des Bildes genauer, 
finden wir weitere Kontraste /Gegensätze.

 

Farbkontraste: Rot –Grün (Haus u.m.) / Blau –Orange (Haus m.) / Gelb – Violett

Jede Kontrastfarbe hebt die Leuchtkraft der Konträrfarbe hervor. Vermischungen dämpfen die Farbwirkung. Rot wird dann rötlich oder bei einer Vermischung mit etlichen anderen Farben entsteht ein dunkles graues Einerlei (Haus u.r.). Tendieren wir Christen vor lauter Rücksichtnahme und falsch verstandener Toleranz dazu, immer grauer (christlicher) zu werden?

Verbergen wir Gott hinter den Wolken, weil wir uns nicht trauen, von ihm zu reden und zu erzählen?, wie eine Theologin in einer Andacht nachfragte?

Der hell – dunkel – Kontrast: verweist auf Licht und Schatten, was auch im übertragenen Sinne verstanden werden kann.

Denn die einen sind im Dunkeln, und die andern sind im Licht,und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“- Bertolt Brecht, Dreigroschenoper, Moritat von Macky Messer

Diese Kontraste haben Petra Sager dazu angeregt, anzunehmen, dass in dieser Stadt: „… die unterschiedlichsten Menschen mit verschiedenen Charakteren wohnen.“

Andrea Czychi sieht das ähnlich, weist aber noch darauf hin, dass wir auch als gläubige Christen: „… bei Jesus nicht alle gleich sein müssen.“

Und für Heinz Kofalk symbolisieren, die verschiedenen Hausformen unterschiedliche Länder und Völker, Reichtum und Armut sowie verschiedene Kulturen.

   

3. Die zukünftige Stadt suchen wir.

 

    Wie lässt sich der zweite Teil des Jahresspruches in dem Bild erkennen und welche Impulse gehen von ihm aus?

3. a) Wir es abendländischen Kulturkreises haben eine eigene Sichtweise der Welt und ihrer Bilder entwickelt. Für uns liegt z. B. der Südpol unten und der Nordpol oben, weil wir dies von den Weltkarten und Atlanten her so zu sehen gelernt haben. Eine Entwicklung verläuft stets von links nach rechts, wie unsere Schrift. Links unten sehen wir als Ursprung, Anfang einer Entwicklung. Wenn eine Entwicklung negativ verläuft, geht es rechts abwärts. Verläuft sie positiv, steigt sie rechts aufwärts. Vergangenheit liegt links, Zukunft liegt rechts. (Vgl. Diagramme, Poltibarometer, Börsenkurse usw.)

 

3. b) Diese Sehgewohnheiten habe ich auch bei diesem Bild berücksichtigt. Deshalb hellt die warme gelbe Farbe, rechts aufsteigend, das bedrohliche kalte Blau auf, ja, es strahlt derart auf das letzte Gebäude aus, dass es sich in dem Sog des Lichtes aufzulösen scheint. Dadurch initiiert, wird die ganze Stadt von einer aufhellenden Atmosphäre umhüllt. Das ist ein Trost für uns und die Welt. Gott hat seine Schöpfung und Geschöpfe noch nicht endgültig fallen lassen. Wir wissen nicht, wohin die Bewegung führt, aber die ganze Stadt wird schon von dem Licht bestrahlt, und auf den Wogenkämmen ist es zu erkennen.

Manchmal muss man in dem Getöse des Hier und Jetzt etwas genauer hinschauen, um sich der Verheißung der zukünftigen Stadt zu vergewissern.

Heinz Kofalk schreibt dazu: „Keine Angst- es wird alles gut. Denn der Lichtstrahl der Ewigkeit leuchtet goldig glänzend durch die Wolken und verändert die Farbgebung.“

3. c) Diese Botschaft des Bildes ist für die meisten Betrachtern erkennbar.

Christus ist das Licht der Welt. (Joh. 8, 12). Dieses Licht leitet uns durch die Gefahren und Wirren der Zeit und führt uns dem neuen Jerusalem zu.

Das ist die zukünftige Stadt, die mit der jetzigen zerstrittenen und von allen Seiten bedrohten Hauptstadt des Staates Israels nichts zu tun hat.

Jerusalem bedeutet Stadt des Friedens (Salem), Stadt des Heils (auch Heilige Stadt im Arabischen). Damit haben wir ein klares Ziel vor Augen.

Gott helfe uns, dass wir durch sein Wort und durch seinen Geist an der Seite Christi dieses Ziel erreichen.

Amen

Otto K.-H. Aurin, 10.02.2013

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