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Jahreslosung 2017

 Jahreslosung 2017   Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekel 36, 26

© Otto Aurin 

Verkündigung zur Jahreslosung 2017

 

 

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“  
Hesekiel 36, 26

1. Hinführung : Wort und Bild

Gott spricht: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ 
Eine Verheißung  des Priesters und Propheten Hesekiel, die vor etwa 2600 Jahren verkündigt worden ist. Sie  ist den verschleppten und entmutigten Israeliten im fremden Babylon als Trost und Hoffnung  zugesprochen worden. Ihre Hauptstadt Jerusalem ist, wie von Hesekiel vorausgesagt, bis auf die Grundmauern zerstört worden.

Die Frage ist, reicht nicht der Spruch, das biblische Wort allein aus, um eine Richtschnur, eine Losung, für das Jahr anzubieten. Ist es sinnvoll und gewinnbringend ein Bibelwort zusätzlich in einer  bildlichen Darstellung auszudrücken? 
Dr. Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, hat in einem interessanten Vortrag (2015) deutlich gemacht: „Die Bilder brauchen das Wort, um nicht der suggestiven Kraft eines unmittelbaren Eindrucks zu verfallen. Aber auch die Worte brauchen Bilder. Denn Worte schaffen Bilder in unserer  Imagination.“

Verdeutlicht: Bilder haben die Kraft, unsere Gedanken,  Gefühle, Gemüter, Meinungen spontan anzusprechen und zu lenken. Das sehen wir schon daran, in welcher Weise die  Bilderflut der Medien unsere Einstellungen steuern können, wenn keine sachkundigen  und wahrheitsgemäßen Erklärungen dazu gegeben werden.
Andererseits brauchen Worte, wie unsere Jahreslosung  Bilder, Sprachbilder, damit das Gemeinte und Angesprochene in unsere Vorstellungswelt eingeht, Denken und Phantasie angeregt werden und in unserem Gedächtnis haften bleiben. Die Sprache ist voller „vergilbter Metaphern“, sagte einmal ein Sprachforscher.

2. Das Jahresbild 2017 - Wie das Bild entstand.

Nun zu unserem Jahresbild. Es stellt eine Symbiose (Zusammenfügung)  von Bild und Wort, zu einem Ausdrucksmittel dar. Schrift im Bild, Bild und Schrift sollen sich gegenseitig erklären. Bedeutungselemente des Wortes sollten sich in der bildlichen Darstellung wieder entdecken lassen. Und bildliche Ausdrucksmittel wie Farbe, Form und Anordnung sollten das Wort verdeutlichen.
Jedes Werk, jedes Hand- oder Kunstwerk, jedes Schöpfungswerk hat seine eigene Geschichte. Die  unseres Bildes beginnt mit dem Bekanntwerden Jahreslosung.

2.1. Was ist bildlich darstellbar?

Das heißt, der Maler muss sich intensiv mit dem Jahresspruch auseinandersetzen, bevor er versucht, zeichnerisch und  farblich etwas auf die Leinwand zu bringen.
Dabei stellt er schnell fest, dass nicht alles sprachlich Ausgedrückte auch in sichtbar Bildliches umgesetzt werden kann.
-  Gott, kann (darf) nicht dargestellt werden, wenn es nicht zu gefährlichen
   Fixierungen von Gottesbildern beitragen soll. (Das Bild vom alten Mann
   mit Bart über den Wolken hat mehr Schaden angerichtet als Segen 
  gestiftet.)
- Für Herzen gibt es millionen Bildsymbole, aber sie erfassen nicht unsere
   innerste  Lebenshaltung, nicht den Kern der Persönlichkeit, sagen nichts 
  über   Liebe, Wärme, Vertrauen, Mut, Überzeugung usw. aus, sind
  Zeichen.
- Geist lässt sich kaum bildhaft veranschaulichen,  wenn man nicht auf
  unangemessene Symbole wie schwebendes Leintuch und Qualmwolken 
  zurückgreifen will.
- Und wie lässt sich Wandel von Alt in Neu anschaulich machen, will man
  nicht  symbolische Pfeile, figürliche Grafiken o.ä. verwenden.


2.2. Von der Skizze zum Bild - oder es kann auch ganz anders kommen

Zuerst macht sich der Maler einige Skizzen. Prüft diese, verwirft, entwickelt neue, sucht  danach, was andere für Ideen haben usw. Ich habe fünf Entwürfe (Studien) gebraucht, bis ich überhaupt etwas auf die Leinwand bringen konnte. Doch als ich mir das Ergebnis nach einigen Stunden angesehen habe, war ich enttäuscht. Eine Mauer wie eine Festung. Zwei Herzen gemalt wie eines für den Valentinstag und  eines für Muttertag. Farben ziemlich unvermischt aufgetragen wie in einem Comic oder beim Malen nach Zahlen. Ich sah mich schon auf dem Weg, um eine neue Leinwand zu kaufen.
Doch  dieses kurze  Resümee zeigte mir, wie stark eingeprägte Vorstellungen wirksam sein können. Wie stark Traditionen, Werbung, Medien usw. meine Einbildungskraft (Phantasie) beeinflusst, ja, verfestigt haben.
Beherzt nahm ich schließlich einen nassen Schwamm und wischte über das gesamte Bild, um die Farben, soweit sie noch nicht angetrocknet waren, wieder auszuwischen. Acrylfarben trocknen  relativ schnell aus. Deshalb leisteten die harten Farbreste auf der linken Bildhälfte Widerstand, wollten sich nicht einfach entfernen lassen. Doch sie wurden überzogen von den anderen, wieder angefeuchteten verwässerten  Farben. Künstler nennen das, Lasieren, was hier von mir ganz unbeabsichtigt geschah.
Die rechtsseitigen noch frischeren Farben bröckelten auf, verwischten und vermischten sich. Harte Herzkonturen lösten sich auf, das Rot-Orange blinkte durch die Mauerritzen, das starre Mauergefüge löste sich teilweise auf.  Jetzt brauchte ich diesem zufällig entstandenen Trend im Bild nur in einfühlsamer Weise mit Palette und Pinsel in den Details zu folgen, um schließlich das bekannte Endprodukt vor Augen zu haben.
Hier trifft die Einsicht Friedrich Dürrenmatts zu: „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer trifft sie der Zufall:“ 
Oder aus meiner persönlichen Perspektive betrachtet: Gottes Palette ist anders sortiert als unsere. Sie ist deutlich vielfältiger und enthält erheblich mehr Mischfarben als wir denken, vielleicht auch als wir wünschen.

3. Reflektion

 Ob und in welcher Weise das Bild den Einzelnen anzusprechen vermag, lässt sich an den Reaktionen der Betrachter/ innen zumindest teilweise ablesen. Sie sind in diesem Jahr, wie auch in den Jahren davor, dazu eingeladen gewesen, ihre eigenen Eindrücke, Gedanken und Vermutungen zu dem Jahresbild mitzuteilen.  Dabei sollte  nicht  die detektivische Frage, was will der Maler damit ausdrücken, im Mittelpunkt stehen.  Sie sehen ja ganz authentisch, dass in diesem Fall, nicht meine Planung  zielführend war, sondern eine etwas verärgerte, unwirsche Reaktion. Der Zufall, oder man kann auch sagen, eine geschenkte Idee, hat zur Weiterführung und Vollendung der Arbeit angeregt.

Eindrücke und Deutungen

Acht schriftliche Mitteilungen habe ich erhalten. Ich halte diese für sehr wichtig, da in allen persönliche Sichtweisen und Bekenntnisse ausgedrückt werden, die auch für andere Anregungen, Ermutigungen und Klärungen  bedeuten können.

1. Der Gesamteindruck  des Bildes  wird durchweg als schön, anregend, warm und weich, positive Assoziationen weckend und segensreich empfunden.

2. Sehr viel Mühe haben einige Interpreten  verwendet auf die Ausdeutung von Details.
Dabei fiel der Blick von Susanne S. zuerst auf das Herz: „ Ich selbst habe das warme Herz zuerst gesehen; für mich ist durch Gottes Wärme vieles im hellen Licht.“
Auch Andrea Cz. stach das „farbintensive Orange des Herzens“  sofort ins Auge. Sie sah darin einen farblichen Kontrast einer „wärmenden Farbe“ zu den eher  kalten und  „diesigen“ Farben der linken Bildhälfte. 
Das Herz wird intensiv ausgedeutet als Gottes Liebe, Wärme,  Sonne, Feuer, „Symbol der brennenden Liebe Gottes“ (Kurt Cz.).
Auf ein nur schemenhaft angedeutetes Herz aus blauen Steinen hat  Petra S. hingewiesen und dies als ein Zeichen der Treue Gottes verstanden. Denn dieses nuancierte Blau verbindet, ihrer Meinung nach,  den linken mit dem rechten Teil der Mauer. Ist also übergreifend. Es entsteht demnach also keine Entweder- Oder – Situation, kalt oder warm, hart oder weich usw., sondern es bestehen Graduierungen, Nuancierungen, wie eben im Leben auch.


Gerade in dem Aufruf zur Nächsten- und Feindesliebe spricht Jesus davon, dass Gott seine  Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte ( Mt. 5,45 f). Wir als Christen sind also aufgerufen, diese Liebe Gottes an jeden Menschen weiterzureichen,  ob wir ihn eher im Bereich der linken oder rechten Mauerseite vermuten.

3. Ein zweites wichtiges Bilddetail stellt die Mauer dar. Auch hierzu liegen ausführlicher dargelegte und gut nachvollziehbare Überlegungen vor. 

Gerd  F. entwickelt folgende Gedanken:  „Eine Mauer schützt. Eine Mauer wehrt ab. Eine Mauer versperrt den Zugang, isoliert. Was könnte die Mauer im Leben eines Menschen bedeuten?
Abwehr gegen Einflüsse von außen? Angst vor Fremdem? Man hat sich eingerichtet. Will keine Veränderung. Vielleicht sind es Traditionen, an denen man unumstößlich festhält. Es ist das Unbehagen vor Veränderungen.
Zeiten ändern sich: Mein Lebensbild wird in Frage gestellt. Ich kann nicht / will den zeitbedingten (?) Veränderungen nicht folgen. –
Vielleicht ist es das Leben, das mich hart gemacht hat. Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Egoismus. Ich habe mich eingemauert. Ich lasse niemanden an mich heran. Ich werde/bin einsam, isoliert. – Die Mauer könnte so in ihrem linken Teil ein Abbild für Verhärtung sein.“
Wenn in dem gleichen  Zusammenhang Marcel von einer „Klagemauer“ erhofft, an der „…jeder seine Geschichte erzählen dürfte, wie er ist, was ihm geschah, und wie er den Versuch gestartet hat, das Bestmögliche aus seinem Leben zu machen.“,  stellt dies  einen vertiefenden, weiteren Gedankengang dar. Vor allem wenn man mit  Marcel zu der Einsicht gelangt, dass unser menschliches Bemühen, unser Leben zu ändern, ´meist nicht gelingt,  nicht ausreicht, ja eigentlich umsonst ist, denn  „Gott will es selber tun“. Er will unser Leben in Ordnung bringen. Das ist der deutliche Verweis auf das „Geschenk Gottes“. Nicht wir müssen Gott suchen. Wir dürfen  uns von Gott finden lassen. Also nicht weiter weglaufen, uns verstecken, so tun als gäbe es ihn nicht, ihn ignorieren, sondern das dankbar annehmen, was er uns schenkt. Sich darüber vergewissern wo und in welcher Weise Gott uns im Leben begegnet ist, uns beigestanden und begleitet hat.

Auch Kurt Cz. blickt hoffnungsvoll auf den rechten Mauerteil, weil er sieht: „...der ist brüchig, droht zu zerfallen“. Die menschliche Abwehrhaltung des Menschen gegenüber Gott ist keineswegs so sicher und stabil wie mancher glaubt und für sich hofft.  Dadurch wird der Weg der Liebe zu uns Menschen frei. Gottes Liebe und Güte dringen durch die Mauerritzen und Bruchstellen unseres Lebens.
„O Mensch verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Umkehr führt?“, könnte hierzu passend mit Paulus gesprochen werden (Röm.2, 4).

4. Schlussfolgerung

Mit dem neuen Herzen und dem neuen Geist, die uns angeboten sind, können die Mauern in uns und um uns herum durchdrungen und überwunden werden. Durch Gottes Geschenk können die Beziehungen zu unseren Mitmenschen, sogar zu unseren Feinden, wieder in Ordnung kommen. Wir müssen also nicht die „Alten“ bleiben.
Wir können uns von Gott, durch sein Wort, seinen Geist verändern lassen. Jesus hat es uns vorgelebt. Und wir können zu herzlichen und geistvollen Nachfolger/inne/n Christi werden.
Ich wünsche es mir und uns allen. Der Herr helfe uns dazu.  Amen

Gebet:

Komm, o komm, du Geist des Lebens,
wahrer Gott von Ewigkeit,
deine Kraft sei nicht vergebens;
sie erfüll uns jederzeit;
so wird Geist und Licht und Schein
in den dunklen Herzen sein.

Gib in unser Herz und Sinnen
Weisheit, Rat, Verstand und Zucht,
dass wir anders nichts beginnen
als nur, was dein Wille sucht;
deine Erkenntnis werde groß
und mache uns vom Irrtum los.

Heinrich Held (1658)

Eine kurze Nachbemerkung:

Während des Abfotografierens stahl sich ein Sonnenstrahl durch einen Fenster-schlitz und warf einen Lichtstrahl vom Himmel auf das Bild. Völlig unbeabsichtigt von mir,  ergab sich wiederum ein anderer Bildausdruck. Besser hätte ich es nicht malen können. Lassen wir uns auch künftig davon überraschen, in welcher Weise der Herr unsere Sichtweisen zu verändern vermag.

Otto K.-H. Aurin

Febr. 2017

"Persönliche Eindrücke und Überlegungen zum Jahresbild 2017"

1. Text - Andrea Czichy, 8.2.2017
Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
 Hesekiel 36, 26

Beim ersten Blick auf das Bild sticht (zumindest mir) das orange sofort ins Auge – beim näheren Betrachten erkenne ich darin ein Herz, das mich an eine aufgehende Sonne erinnert. Dieses farbintensive Herz ist in der Lage, den eher „diesigen“ Hintergrund der linken Seite im rechten Bildteil mit einer „wärmenden“ Farbe aufzuhellen. Betrachtet man die Mauer im Bildvordergrund fällt auf, dass sie (nicht nur farblich) zweigeteilt ist: links ist sie gräulich gehalten und die Steine sind fest aufeinander zementiert. Rechts ist die Mauer – im positiven Sinne! - „brüchig“, einzelne Steine fehlen und der Mörtel zwischen den noch vorhandenen Steinen ist teilweise nicht mehr da. Die Strahlen des Herzens haben ihre Kraft entfaltet und lösen die Mauer langsam auf. Ganz rechts wirken die Steine zwar noch recht fest, sind aber in einem rötlich-goldenen Ton eingefärbt – es entsteht Hoffnung, dass auch diese Steine porös werden...
Biblisch interpretiert bewirken das „neue Herz“ (und der „neue Geist“), den Gott uns Christen schenkt, dass sich die Mauern in unserem Leben verändern können. Sie können durchlässiger und kleiner werden und – das wäre am besten – ganz verschwinden! Das Ganze kann aus zwei Blickwinkeln betrachtet werden:
1. Gott möchte uns/unser Herz erreichen, er möchte unser versteinertes, durch Mauern vor ihm  „geschütztes“ Herz (im Sinne von „gesichertes“ Herz) aufweichen, damit wir uns (neu) auf ihn einlassen können. Und vielleicht haben wir unser Herz auch vor unseren Mitmenschen verschlossen, wir lassen sie nicht an uns heran, können gut gemeinte Kontaktaufnahmen nicht zulassen. In beiden Fällen möchte Gott behutsam die von uns errichteten Mauersteine abtragen, um zu unserem Herz zu gelangen, es in Liebe „auszutauschen“ bzw. zu verändern, es „neu“ zu machen.
2. Wenn wir das „neue“ Herz als Geschenk angenommen haben, dann können und sollen wir versuchen, mit unserer „herzlichen Liebe“ die Mauern um die Herzen unserer Mitmenschen zu überwinden. Mit Einfühlungsvermögen und Geduld sollen wir auf sie zugehen und dabei einen langen Atem haben. Durch ein freundliches Wort, einen lieben Gruß per Mail oder per Post, eine tatkräftige, wohlmeinende Unterstützung können wir versuchen, einzelne Mauersteine zu lösen und vielleicht sogar zu entfernen.
Beim Bibelvers fällt auf, dass das Wort „Gott“ von der Schriftgröße und von der „Farbdicke“ hervorsticht. Damit wird unterstrichen, wer es ist, der ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt: es ist Gott selbst.
Lässt man das Bild als Ganzes auf sich wirken, weckt es positive Assoziationen: Wärme, Veränderung, Neuanfang. Die „zerstörte Mauer“ auf der rechten Seite wirkt nicht bedrohlich, sondern lädt als erstrebenswertes Ziel dazu ein, die einzelnen Steine noch weiter abzutragen.

2. Text - Gerd Führer  

Beschreibung:
Eine breite Mauer durchzieht das Bild in der Horizontalen. Sie hat kein einheitliches Aussehen, weder seiner Struktur noch seiner Farbe nach. Der (vom Betrachter aus gesehen) linke Teil der Mauer ist eher in einem Grauton gehalten, festgefügt und anscheinend sehr solide gebaut. Zur Mitte hin verändert sich der Zustand der Mauer. Das Grau vermischt sich mit einem Blauton (?). Fugen verlieren ihre Festigkeit, Lücken entstehen, im rechten Bildteil fehlt sogar ein Stein in der Mauer. Es entsteht ein Durchbruch/Durchblick für die leuchtendrote Farbe des Herzens hinter der Mauer.
Dieses zieht in der rechten Bildhälfte als angedeutetes Herz die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Vor allem seine rote Farbe nimmt Einfluss auf die Farbgestaltung der rechten Bildhälfte: oberer Bereich, Mauer, Vordergrund.
Interpretation:
Eine Mauer schützt. Eine Mauer wehrt ab. Eine Mauer versperrt den Zugang, isoliert. Was könnte die Mauer im Leben eines Menschen bedeuten?
Abwehr gegen Einflüsse von außen? Angst vor Fremdem? Man hat sich eingerichtet. Will keine Veränderung. Vielleicht sind es Traditionen, an denen man unumstößlich festhält. Es ist das Unbehagen vor Veränderungen. Zeiten ändern sich: Mein Lebensbild wird in Frage gestellt. Ich kann nicht / will den zeitbedingten (?) Veränderungen nicht folgen. –
Vielleicht ist es das Leben, das mich hart gemacht hat. Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Egoismus. Ich habe mich eingemauert. Ich lasse niemanden an mich heran. Ich werde/bin einsam, isoliert. – Die Mauer könnte so in ihrem linken Teil ein Abbild für Verhärtung sein.
Doch da ist das Herz hinter der Mauer. Seine rote Farbe zeigt, dass das Herz funktioniert, es ist durchblutet, es lebt. Nur ein Teil von ihm ist sichtbar. Es arbeitet von innen her. Es arbeitet mit der Gabe der Liebe. In der Mauer entstehen Risse, Öffnungen. Das Festgefügte wird durchlässig. Die rote Farbe leuchtet durch, färbt auch den Boden davor und den rechten Teil der Mauer. Die Liebe findet Zugang, löst die Verhärtung und verändert ihren Lebens-Bereich.
Das Herz scheint von oben hinter die Mauer gesenkt worden zu sein. Bekommt von dort seine Farbe, seine Wirkung: Gott spricht! Gottes Liebe bricht sich Bahn, ermutigt zum Aufbruch, schafft Neues, erfüllt mit neuem Geist. Doch der Zugang ist nicht überall möglich, siehe linke Bildhälfte. Noch nicht möglich. Es bleibt die Hoffnung, wie sie sich durch die Färbung im rechten Teil der Mauer andeutet.