Sonntagsgruss 17.05.2020

Liebe Gemeinde,
der Name "Rogate" gibt das Thema dieses Sonntags vor: "Betet!" Laut oder leise, allein oder mit an-deren, frei oder mit geprägten Worten: Betet! Gerade Jesus ermutigt uns zum Gespräch mit seinem Vater. Warum? Weil wir von ihm abhängig sind. Unmissverständlich sagt Jesus denen, die mit ihm leben wollen: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“
Meine Erfahrung ist: Je länger wir mit Jesus unterwegs sind, umso mehr werden wir entdecken: Wir kommen an unsere Grenzen. Wir sind schwach. Wir schaffen manches, aber längst nicht alles. Das erleben wir in unserem persönlichen Leben, aber durch die Corona-Krise auch weltweit. Bei aller Kreativität und Intelligenz die Gott uns Menschen geschenkt hat, erleben wir zurzeit besonders die Grenze der Machbarkeit. Wir können doch nicht alles. Und das macht manchem Menschen Angst. Angst ist einer der Gründe, warum der ein oder andere sich für Verschwörungstheorien öffnet. Er sucht einen Schuldigen. Das hilft ihm scheinbar, mit der Krise besser umzugehen.
Wir Christen haben eine bessere Chance, der Krise zu begegnen. David sagt uns im Alten Testament: „Schüttet euer Herz vor ihm aus, denn unsere Zuflucht ist Gott.“ (Ps 62,8) David ermutigt uns zum persönlichen Austausch mit Gott, denn er bietet uns Schutz und Sicherheit. So wie mir der Schnabel gewachsen ist, kann ich mit Gott über alles reden, ganz offen – vertrauensvoll – kindlich.
Und was verspricht Jesus uns? „Ihr werdet alles bekommen, wenn ihr im festen Glauben darum bittet.“ Klingt verführerisch! Aber überhören wir dabei nicht: Das Gebet ist kein Bestellschein für himmlische Lieferanten. Das Gebet ist kein Bittgesuch an den lieben Gott, uns immer helfen zu müssen. Es ist keine fromme Pflichterfüllung, um unser Gewissen zu beruhigen. Das Gebet ist die Gelegenheit besonderer Gemeinschaft mit Gott. Das steht im Vordergrund.
Übrigens: Gott braucht unser Gebet nicht. Er weiß sowieso schon alles. Aber wir brauchen das Gebet. Uns tut es gut, uns mit unseren Nöten und Sorgen an Gott zu wenden. Mit der Möglichkeit des Gebetes gibt Gott uns das Gefühl und das Erleben von Geborgenheit, Verstanden-sein und Angenommen-sein und echter Hilfe. Wenn wir beten, sprechen wir mit dem lebendigen Gott. Wir stimmen uns auf seinen Willen ab. Wir lassen ihn in unser Leben eingreifen. Wir rechnen mit seinem Interesse an unserem Alltag. Also, reden wir mit ihm, das tut uns gut!
Liebe Grüße und eine gesegnete Woche wünscht euch Friedhelm. Bleibt gesund!