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Chronik 100 Jahre FeG Katernberg

Chronik
Vorbemerkung: eine Chronik über die einhundertjährige Geschichte unserer Gemeinde zu erstellen, war bei lückenhaften, manchmal sich widersprechenden Quellen nicht ganz einfach. Die Auswahl der Informationen ist sicherlich subjektiv; manches noch Erwähnenswerte wurde vielleicht nicht berücksichtigt. Es wurde nicht jede Aktivität unserer Gemeinde aufgelistet. Vieles ist an bestimmten Personen (vor allem Predigern) festgemacht. Sie stehen nur stellvertretend für Schwestern und Brüder, die in ihrer jeweiligen Zeit die Gemeindearbeit mitgetragen haben. Letztlich steht hinter allem Bemühen das Ziel, den Namen Gottes zu verherrlichen und Menschen in Katernberg durch das biblische Wort zu Jesus zu führen. Dieser Zielsetzung fühlen wir uns auch heute noch verpflichtet.
 

-Die Vorgeschichte
-Die Entwicklung in Essen
-Entstehung der FeG Caternberg
-Entwicklung der Gemeinde bis 1918
-Die Zeit bis 1950
-Die anschließenden 4 Jahrzehnte
-Situation und Auftrag der Gemeinde heute
-Generation - Vielfalt mit klarem Ziel Die letzten 10 Jahre

Die Vorgeschichte
Freie evangelische Gemeinden (FeG) gibt es in Deutschland seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Der Begründer der ersten FeG, Hermann Heinrich Grafe (1818 - 1869), hatte während eines Frankreichaufenthaltes in Lyon eine derartige Gemeinde kennengelernt, in welcher nur der Mitglied sein konnte, für den der Glaube an Jesus Christus sich nicht in formalen Handlungen wie Taufe - Trauung - Beerdigung, evtl. gelegentlichem Gottesdienst erschöpfte, sondern Lebensinhalt war. Grafe beklagte, dass in seiner Heimat die Menschen weitgehend nicht die Notwendigkeit sahen, biblisch orientierten Glauben mit Leben zu füllen, wenn er Bestand haben sollte. Die neutestamentlichen Gemeinden hatten da ein besseres, nachahmenswertes Beispiel gegeben. So rief H. H. Grafe zusammen mit anderen 1850 den Evangelischen Brüderverein ins Leben, dessen missionarisches Wirken vorwiegend von Laien durchgeführt wurde und überkonfessionell war. Sogenannte Reiseprediger (Lehrbrüder) gingen in die umliegenden Dörfer und Städte (auch des Ruhrgebietes), um den Menschen ein an Jesus Christus gebundenes Leben wichtig zu machen. Es kam zu geistlichen Aufbrüchen. Die große Volkskirche zeigte für solche Entwicklungen wenig Verständnis. Deshalb hielt es Grafe für eine notwendige Aufgabe, denen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen waren, eine geistlich Heimat anzubieten. Er gründete im Jahre 1854 in Elberfeld-Barmen (Wuppertal) die erste FeG, eine von staatlichen und kirchlichen Institutionen unabhängige, evangeliumsorientierte Gemeinde, die sich allein ihrem Herrn Jesus Christus verantwortlich wusste. Die Feier des Abendmahls hatte als sichtbares Zeichen ernstgemeinter Nachfolge einen besonderen Stellenwert. Zwanzig Jahre später bildeten 22 inzwischen gegründete Gemeinden oder Abendmahlsgemeinschaften den Bund der Freien evangelischen Gemeinden. Dieser Bund verstand sich nicht als Freikirche, sondern als Arbeitsgemeinschaft unabhängiger und selbstständiger Gemeinden.

Die Entwicklung in Essen
Zu den Gründergemeinden des Bundes gehörte auch die Freie evangelische Gemeinde Essen (Mitte). Friedrich Grenner (1833 - 1896) hatte auf Initiative von H. H. Grafe als Prediger des Evangelischen Brüdervereins in den 60er Jahren in Essen eine missionarische Arbeit begonnen, durch die es 1865 zur Gründung der 1. FeG in Essen kam. Stadtmissionar Grenner konzentrierte sich in seiner Arbeit nicht nur auf den Ostteil und das Zentrum der Stadt. Er war unermüdlich unterwegs, verteilte Traktate an vorbeieilende Passanten, machte viele Hausbesuche und kam so auch in die umliegenden Orte von Essen.

Essen war damals innerhalb von wenigen Jahrzehnten zu einer echten Großstadt geworden. Durch die Industrialisierung des Ruhrgebiets war die Bevölkerungszahl von 5000 im Jahre 1819 auf 65000 im Jahre 1885 angewachsen. Aus Ostpreußen, Schlesien und Polen kamen Hunderttausende als ungelernte Arbeiter in das Ruhrgebiet und suchten im Stahl- und Bergbau eine neue Existenzgrundlage. Eine große Wohnungsnot war die Folge. Auch der Essener Norden blieb davon nicht verschont. Wer konnte nahm einen oder mehrere Untermieter auf. Manche Bettstelle wurde von Arbeitern, die im Schichtdienst ihr Geld verdienten, doppelt und dreifach angemietet. Dabei waren die sozialen Probleme beträchtlich. Die Bergarbeiter versuchten durch Streiks bessere Lebensbedingungen zu erstreiten. Aber weder Staat noch Unternehmer zeigten allzuviel Verständnis für die Probleme der einfachen Leute.

Entstehung der FeG Caternberg
In diesem Umfeld war F. Grenner unterstützt von einigen Brüdern (J. Bernhard, G. Schuffert) als Stadtmissionar tätig, um den Menschen in ihrem Lebensbereich die biblische Botschaft zu bringen. In Caternberg werden 1866 die ersten Kontakte geknüpft. Es dauert eine Zeit, bis in einem geräumigen Dachzimmer im Ziegenfeld (Heinrichstr.= Middeldorperweg) regelmäßige Stubenversammlungen stattfinden konnten. "Lange hat Grenner vorarbeiten müssen, bis der gute Same aufgelockerten Boden fand."(Schmitz S. 201) Die missionarische Arbeit trägt allmählich Früchte. Einzelne Menschen öffnen sich der biblischen Heilsbotschaft und wagen einen geistlichen Neubeginn. 1888 ist die Arbeit schon so weit gewachsen, dass ein "Gesangverein" (Gemischter Chor) gegründet werden kann, der zunächst von Essen-Mitte aus betreut wird (J. Seeger). Drei Jahre später übernimmt Jakob Konrad (1851 - 1932), der Kontakt zu F. Grenner hatte, als Prediger zunächst im 14tägigen Wechsel mit einem Dienst in Wattenscheid die Betreuung der Caternberger Arbeit. Zweimal im Jahr werden besondere Evangelisationen durchgeführt. Ab 1892 versieht J. Konrad seinen Dienst in Caternberg vollzeitlich. - Ist dies das Gründungsdatum unserer Gemeinde? Die Quellen lassen uns da etwas im unklaren. Für 1892 als Gründungsjahr spricht die Berufung eines vollzeitlichen Predigers nach Caternberg. Am 1. Nov. beginnt sein Dienst. Gleichzeitig kann die Gemeinde einen Saal beziehen, den ihr "Viktualienhändler" Carl Knollmann im Hinterhof der Kastanienstr. 10 (Ottenkämperweg 10) für die gemeindliche Arbeit zu Verfügung stellt. Am ersten Sonntag im November wird der Saal eingeweiht, "in den auch die Sonntagschule und die Vereine ihren Einzug halten konnten" (Schmitz S. 203, dort wird allerdings 1888 als Baujahr genannt). In einem von Prediger W. Müller (s.u.) angefertigten Mitgliederverzeichnis kommt 1893 als erstes Aufnahmedatum vor. Wir dürfen davon ausgehen, dass sich die ersten Gemeindeglieder schon als Freie evangelische Gemeinde verstanden. Die Bindung an die FeG Essen-Mitte ist noch sehr eng. "Wir gingen des sonntags morgens nach Essen zur Erbauungsstunde. Die Zahl, die von hier (Katernberg) der Essener Gemeinschaft angehörten, belief sich wohl auf 8 oder 10. Sonntags nachmittags hatten wir hier Versammlung, ebenso in der Woche." (Konrad S. 6) - 1893 erhält die Gemeindearbeit durch eine Erweckungszeit einen weiteren Schub. Ein Männerchor kann gegründet werden. Im darauffolgenden Jahr wird durch die Einrichtung einer eigenen Erbauungsstunde ein weiterer Schritt in Richtung Eigenständigkeit getan.
In der Biographie über F. Grenner wird 1895 als das Gründungsjahr unserer Gemeinde genannt, "obwohl diese praktisch schon bestanden hatte." (Schmitz S. 204). Ursachen zu dieser offiziellen Gründung lagen in einem gestörten Verhältnis zur Landeskirche in Caternberg, die damals die Existenz einer FeG bestritt. Glaubenstaufe, eigenes Abendmahl, Kirchenaustritte einiger, die sich der FeG zugewandt hatten, wurden als pharisäischer Hochmut kritisiert. "Dieses veranlasste uns, zu einer offiziellen Bildung einer Gemeinde zu schreiten und unsere Satzungen bei der Behörde einzureichen." (Konrad S. 3). Die Gemeinde schliesst sich auf Empfehlung von F. H. Neviandt, Prediger der FeG Elberfeld-Barmen, dem Bund der Freien evangelischen Gemeinden an. Damals hat die Gemeinde 36 Mitglieder. Folgende Namen lassen sich aus dem oben erwähnten Mitgliederverzeichnis und aus dem Buch über F. Grenner benennen:
L. Ansorge (Bergmann) und Ehefrau,
F. Bressem (Bergmann) und Ehefrau,
Frau Befeld (Witwe),
Heinr, Hugo sen. (Bergmann) und Ehefrau,
C. Kuhnke (Bergmann) und Ehefrau,
A. Morgenroth (Bergmann) und Ehefrau,
F. Pallaschke (Bergmann) und Ehefrau,
K. Stieghorst sen. (Bergmann) und Ehefrau,
F. Ukraß (Bergmann) und Ehefrau,
A. Vögeding sen. (Bergmann),
A. Windt (Tagesarbeiter) und Ehefrau,
K. Windt (Bergmann) und Ehefrau,
J. Zantop (Bergmann) und Ehefrau.

In der Verfassung aus dem Jahre 1900 heißt es:
"Die freie evangelische Gemeinde in Caternberg ist eine freiwillige, von anderen (politischen und Religions-) Gesellschaften unabhängige Vereinigung gläubiger Christen zur Ausübung und Verkündigung des in der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments dargebotenen Glaubens.
Mitglied der Gemeinde kann jeder werden, der auf Jesum Christum, den in das Fleisch gekommenen Sohn Gottes, als seinen persönlichen Heiland und Herrn gläubig vertraut..."

Entwicklung der Gemeinde bis 1918
In einer in der Zeitschrift "Der Gärtner" veröffentlichten Jahresstatistik aus den Jahren 1896/97 wird die Gemeinde Caternberg erstmals erwähnt. Daraus geht hervor, dass die Gemeinde inzwischen einen zweiten Prediger berufen hatte: Jakob Hülsmann.
J. Hülsmann, der von der Missionsschule in Neukirchen kommt, soll J. Konrad unterstützen, dessen Augenlicht sich zunehmend verschlechtert. Am 1. Januar 1896 beginnt er mit seinem Dienst. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf 64 angewachsen; 12 Sonntagsschullehrer betreuen 110 Kinder. Auf die Initiative von J. Hülsmann hin wird eine Genossenschaft, die Buchhandlung Philadelphia G.m.b.H., gegründet, die bis November 1928 existiert.
1897 erwirbt die Gemeinde ein Grundstück in der Kastanienstr. 7a (Ottenkämperweg 9a) und baut dort ihr eigenes Gemeindehaus. Die Aufteilung in Predigerwohnung, kleinen Saal, großen Saal ist bis heute gültig. Am ersten Sonntag im November konnte dieser Saal eingeweiht werden. In den folgenden Jahren wächst die Gemeinde ständig. Weitere Chöre bilden sich: ein Bläserchor, ein Kinderchor, ein Zitherchor. Ein "Männer- und Jünglingsverein" entsteht (1899). 1909 wird der Antrag gestellt, den Gemeindesaal durch einen Anbau (Empore) erweitern zu dürfen. Seit 1910 führt die Gemeinde einen eigenen Kindergarten, der unter der Leitung von Schwester Emilie Fries bis Anfang der zwanziger Jahre besteht. In einem Bundesbericht aus dem Jahre 1911 wird die Gemeinde in Caternberg als die inzwischen größte FeG des Ruhrgebietes bezeichnet. Zum Vorstand gehörten damals außer den Predigern J. Zantop, F. Bressem, C. Stieghorst, H. Hugo, G. Heina und C. Kuhnke (später Prediger in Gelsenkirchen-Horst). - Über die Auswirkungen des 1. Weltkrieges auf das Gemeindeleben ist wenig bekannt. Im Oktober 1914 beschließt die Gemeinde, das Jahresfest ausfallen zu lassen. Weitere Feste (Jünglings- und Gesangsfest) werden 1915 wegen des Krieges nicht gefeiert. 1918 wird auf dem Gemeindehof eine Kriegsküche eingerichtet, um die Lebensmittelversorgung zu regeln. In diesem Jahr tritt Prediger Konrad, fast völlig erblindet in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Zeit bis 1950
An seine Stelle beruft die FeG Gemeinde Essen-Katernberg Gerhard Monning aus Duisburg als Gemeindeprediger nach Katernberg. Er kommt von der Ausbildungsstätte St. Chrischona und tritt am 1. Januar 1919 seinen Dienst an. Bemerkenswert ist der Hinweis, dass sich Prediger Monning mit seiner Frau erst 1920 in unserer Gemeinde taufen lässt. Im Jahresbericht von 1927/28 nennt G. Monning folgende Zahlen: 189 Gemeindeglieder, Vereine: Frauen-, Jünglings-, Jungfrauen-, 2 Gesang-, 2 Musik"vereine", 2 Hauskreise in Altenessen und Schonnebeck. Auch die Gemeinde in Erle wird von Bruder Monning 1 bis 2x monatlich mitbetreut. Augenzeugen berichten, dass es für ihn nicht immer leicht war, mit der ostpeußischen Mentalität einiger Gemeindeglieder zurecht zu kommen. Der Dienst von Prediger Monning endet am 31.12.1933 in Katernberg.
W. Heina, Gemeindeältester in den 50er Jahren, schreibt in einem Bericht: "Wir schätzen ihn (Monning) auch heute noch als einen lieben und werten Diener Gottes, der vielen den Weg zur Seligkeit gewiesen hat." - Über den weiteren Lebensweg von Jakob Hülsmann haben wir keine Erkenntnisse.

In dem folgenden Jahr kann die Gemeinde Waldemar Müller als Prediger nach Katernberg berufen (1.3.1934). Sein freundschaftliches Verhältnis zu G. Monning, mit dem er sich durch die Ausbildung in St. Chrischona verbunden wusste, hatte wohl die Weichen zu dieser Berufung gestellt.
W. Müller war bis dahin Prediger in Mülheim - Styrum. Seine Arbeit ist durch die schlimmen Begleiterscheinungen des Naziregimes schwierig. Die Predigten werden innerhalb und außerhalb des Gemeindesaales argwöhnisch beobachtet. Einmal wird er als vermeintlicher Jude (vielleicht wegen seines Spitzbartes?) zusammengeschlagen. Trotzdem kann die Gemeindearbeit weiter getan werden. Er berichtet von 16 großen Bombenangriffen und 80 bis 90 kleineren Angriffen während des Krieges auf Essen. Die Chöre müssen bald ihre Dienste einstellen, da die Männer an der Front sind. Von den Gemeindegliedern und ihrem Freundeskreis sind 96 Männer Soldaten; 48 davon sind später im Krieg gefallen oder waren vermisst, 10 gerieten in die Gefangenschaft. Auch die Ehefrau von Prediger Müller stirbt 1944 indirekt durch die Einwirkung des Krieges. Der Gottesdienst wird wegen der Luftgefahr z.T. auf 8 Uhr morgens vorverlegt. - Nach dem Krieg beginnt der Wiederaufbau. Acht Familien aus der Gemeinde haben alles verloren. Noch nicht alle wegen der Luftgefahr verschickten Kinder sind wieder bei ihren Familien. Die Not ist groß. Das Gemeindehaus ich teilweise beschädigt, kann aber weiter benutzt werden. Es fehlt zunächst das Material, um die Schäden zu beseitigen. Im Winter kann der Gottesdienst bei kalter Witterung nicht abgehalten werden. - 1946 kommt es zu einem geistlichen Aufbruch: während einer Evangelisation kommen 20 Menschen zum Glauben an Jesus Christus, kurz vorher hatten sich 19 Gläubige auf den Namen Jesu Christi taufen lassen. 1947 kann das Dach des Gemeindesaales renoviert werden. Prediger Müller berichtet von äußeren und inneren Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren, "doch der Herr hat geholfen." Ende April 1950 begibt er sich im Alter von 72 Jahren in den Ruhestand.

Die anschließenden 4 Jahrzehnte
Zu dieser Zeit kommt Ulrich Mewißen als junger Prediger direkt von der Predigerschule in Ewersbach nach Essen-Katernberg. Es gehörte zum damaligen Ausbildungsplan, daß die Absolventen der Predigerschule nach dem Examen ein einjähriges Gemeindepraktikum durchführten, bevor sie ganz offiziell in den Gemeindedienst eingesegnet wurden. Das monatliche Gehalt wird auf 230,00 DM festgesetzt. U. Mevißen bezieht ein möbliertes Zimmer in der Predigerwohnung, die von Prediger Müller und seiner Tochter Magdalene noch bewohnt wurde. Auf Anregung des neuen Predigers werden Jungscharen ins Leben gerufen: Mädchen 1950 (1956), Jungen 1951 (1954). Im November wird eine Gebetswoche für die Kriegsgefangenen durchgeführt. Bruder Mevißen kann seit dem 29. April 1951, dem Tag seiner Einsegnung, sich ganz als "Katernberger" fühlen. Bald nimmt er auch Abschied vom Junggesellendasein und holt seine Frau Gisela von Solingen nach Katernberg. Man lebt allgemein in bescheidenen Verhältnissen. Von dem wenigen, was man hat, wird sogar noch abgegeben. So werden von Zeit zu Zeit Pakete mit dem Notwendigsten an die Geschwister in der "Ostzone" geschickt. Bei besonderen Festen heißt es immer: "Kaffee wird gereicht, Zubrot ist mitzubringen." Etwa 160 Mitglieder hat die Gemeinde zu dieser Zeit. Ihre Gemeindeältesten sind damals: W. Buckschun, Wilh. Hebel, W. Heina, F. Hermuth, H. Hugo, O. Zielke. Ein besonderes Ereignis gibt es im Herbst 1954 zu feiern: die neue Orgel, damals ein Schmuckstück über den Kreis der Ruhrgebietsgemeinden hinaus, wird eingeweiht. Für eine Übergangszeit übernimmt Br. Mewißen die Leitung des biblischen Unterrichts in Essen-Mitte. Im April 1956 endet sein Dienst in Katernberg, und er folgt mit seiner Familie einem Ruf nach Arolsen. Ihre Verbundenheit zu unserer Gemeinde aber bleibt bis zum heutigen Tag bestehen.

Am 8. Juli 1956 zieht Prediger Wilhelm Schirmer mit Ehefrau Martha und Sohn Friedhelm von Bottrop nach Katernberg, wo er seit dem 01.05. den Dienst als Gemeindeprediger übernommen hat. Fast genau 10 Jahre kann er diesen Dienst tun, bis er aus gesundheitlichen Gründen im Januar 1966 in den Ruhestand tritt. Die älteren unter uns erinnern sich noch sehr gut an seine Hausbesuche, wenn er mit Regenmantel und Baskenmütze (z.T. mit dem Moped) bei jedem Wetter unermüdlich unterwegs war. Mit gärtnerischem Geschick sorgt er für eine lange im Jahr blühende Außenanlage. Sein Dienst ist nicht immer leicht. Sein Standpunkt aber ist unbeirrbar. Es gelingt ihm, eine Brücke zu den (älteren) Pastoren der Landeskirche am Katernberger Markt zu schlagen. Seine Sprache ist bisweilen plastisch. So bezeichnet er in einem Gottesdienst, dessen Besuch wohl spärlich war, die anwesende Gemeinde als "verunglückten Pflaumenkuchen" - Wendungen, die heute noch erheitern. Die Mitgliederzahl wächst. Ende 1956 gehören zur Gemeinde 169 Glieder. Geistlich ist einiges in Bewegung. Im Gemeindebericht zum 01.01.1957 schreibt Br. Schirmer: "Der Dienst in der Gemeinde wurde mit großer Freude und guter Resonanz getan. Der Besuch der Gottesdienste ist gut. Wir freuen uns über viele Fremde, die z.T. wiederkommen. Der Gebetsgeist in den Bibel- und Gebetsstunden ist gut. Wir beten um eine Erweckung besonders der Jugend und in unserer Stadt." Verschiedene Evangelisationen, vor allem die Großevangelisation mit dem Janz-Team, bringen hier ein Stück Gebetserhörung. Die sonntäglichen Gottesdienste werden nun mit einem Tonbandgerät aufgezeichnet. Der Gemeindeälteste Wilhelm Hebel übernimmt die Aufgabe, Alte und Kranke zu besuchen, um ihnen die aufgezeichneten Gottesdienste vorzuspielen und sie so Anteil nehmen zu lassen am Gemeindeleben.
Im März 1966 wird W. Schirmer nach schwerer Krankheit vom Herrn heimgeholt.

Am 01.10.1966 kann Wolfgang Kuhl, bisher Prediger in der FeG Bösingfeld, nach Katernberg berufen werden. Im Dezember wird der Beschluss gefasst, die Rechte und Pflichten eines "eingetragenen Vereins" in Zukunft vom Bund der Freien evangelischen Gemeinden K.d.ö.R. wahrnehmen zu lassen und das Grundvermögen der "Gemeinwohl Immobiliengesellschaft m.b.H. in Witten" zu übertragen. - Prediger Kuhl hat die Gabe, evangelistisch zu predigen. So kann er die nächste Evangelisation in Katernberg durch seinen Verkündigungsdienst wesentlich mit prägen. Die Belebung der Gemeinde ist auch an der Beteiligung an den Gebetsstunden erkennbar: die Besucherzahl steigt von 20 auf etwa 50 bis 60 Teilnehmer pro Abend. Die Evangelisation mit Billy Graham in Dortmund, "Euro 70", gibt einen neuen Schub. Doch trotz Bekehrungen und Aufnahmen in die Gemeinde in den nächsten Jahren ist, bedingt durch Alter, Umzug, Austritte und Berichtigung des Mitgliederverzeichnisses, ein Mitgliederrückgang zu registrieren. 1972 wird die Mitgliederzahl mit 130 angegeben. Gemeindeälteste in dieser Zeit sind W. Buckschun, G. Fischer, R. Hugo, F. Plaga. Der Versuch, die Gemeindeleitungsstruktur zu verändern (anstelle eines Ältestenrates einen Gemeindevorsteher und seinen Stellvertreter zu wählen), wird nach zwei Jahren wieder rückgängig gemacht. - Prediger W. Kuhl folgt im August 1972 einem Ruf nach Niederdieten.

Mit der Berufung von Prediger Helmut Kölsch von Frankenbach (Hessen) nach Katernberg (Dienstbeginn August 1973) beginnt eine intensive Bauphase. Da Familie Kölsch aus 7 Personen besteht, muss erst einmal die Predigerwohnung von Grund auf renoviert, ja umgebaut werden. Die Gemeinde entschließt sich für eine Lösung, die auch heute noch zeitgemäß ist. Im November desselben Jahres wird der 1. Gemeindebrief herausgegeben. Beim Silvestergottesdienst kommt es nach sechzehnjähriger Pause wieder zum Einsatz des Bläserchores. Die überarbeitete Gemeindeordnung wird am 26.05.74 verabschiedet. Neben den Gottesdiensten versucht die Gemeinde, durch besondere Vortragsabende Menschen für die biblische Botschaft zu gewinnen. Höhepunkte sind der missionarische Kongress "Christival 76" in der Gruga-Halle, Evangelisationen mit den Ambassadors (Janz Team) und auf Allianzebene mit Luis Palau und Anton Schulte. Gedanken an eine umfassende Renovierung des Gemeindesaals werden zunächst mit zagendem Herzen, schließlich aber mit großem Gottvertrauen realisiert. Wir bemühen uns, eine Lösung zu finden, die für die nächsten Jahrzehnte Gültigkeit hat. Im Herbst 1977 beginnen umfassende Umbaumaßnahmen. Die Einsatz- und Opferbereitschaft der Gemeindeglieder ist enorm. In den folgenden Monaten dürfen wir unsere Gottesdienste im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche am Markt abhalten. Für diese Gastfreundschaft sind wir sehr dankbar. Am 16. April 1978 kann dann in einem Lob- und Dankgottesdienst der alte Gemeindesaal in neuem Gewand seiner Bestimmung übergeben werden. - Als Prediger Kölsch im April 1985 in den tätigen Ruhestand tritt, beträgt die Mitgliederzahl 101. Da er seinen Wohnsitz in Katernberg wählt, steht er der Gemeinde auch später für gelegentliche Predigt- und Seelsorgedienste zur Verfügung.

Zum 1. August 1985 beruft die Gemeinde Friedrich Alpers als Pastor, so ist inzwischen die Sprachregelung im Bund der FeGn, nach Katernberg. Pastor Alpers hatte zunächst eine Ausbildung in der Bibelschule Brake, dann am theologischen Seminar in Ewersbach erhalten und beginnt nun bei uns seinen ersten Pastorendienst. Ein Schwerpunkt während seiner Dienstzeit ist die Arbeit an den Kindern. Zu den vorhandenen Gruppen der Sonntagschule, Jungschar und des biblischen Unterrichts wird die Betreuung von Kindern unter 10 Jahren in einer Kinderstunde und einer Mutter-Kind-Arbeit begonnen. Beide Gruppen finden über die Gemeinde hinaus reges Interesse. Der Gemeindebrief erhält ein neues Aussehen. 1986 führt die Gemeinde ihre erste Familienwochenendfreizeit (auf dem Wartenberg, Witten) durch. Alle Teilnehmer sind so begeistert, dass von nun an in einem Zweijahresrhythmus solche Freizeiten angeboten werden. Endlich kann auch der neue Jugendraum im Anbau des Gemeindesaals von den Gruppen genutzt werden (1987). Im Dezember desselben Jahres erhält eine Koreanische Gemeinde von uns die Erlaubnis, in Zukunft unsere Gemeinderäume für gottesdienstliche Zwecke mit benutzen zu dürfen. Der Gemischte Chor feiert 1988 sein einhundertjähriges Bestehen. 1989 kommen im Herbst mehr als 1500 Besucher, um eine Bibelausstellung in unseren Räumen besichtigen zu können. In diesm Jahr wird auch der Neubau der Toiletten und die Neugestaltung des Vorplatzes in Angriff genommen. - Über die Schulpflegschaft nutzt Pastor Alpers die Möglichkeit, Schulgottesdienste in der Helen-Keller-Schule und in der Richard-Schirrmann-Realschule ins Leben zu rufen bzw. mitzugestalten. Bei der Evangelischen Allianz in Essen arbeitet er im Vorstand mit. - Die Liebe zu den Kindern veranlasst die Eheleute Alpers, die keine eigenen Kinder haben, Kinder aus Heimen aufzunehmen bzw., wo dies möglich ist, zu adoptieren. Als die Familie immer größer wird, fassen sie den Entschluss, die Gemeindearbeit aufzugeben, um die Leitung eines Kinderhauses zu übernehmen. Der Abschied von Katernberg fällt schwer. Familie Alpers zieht Ende Juli 1991 nach Kalletal.

In den folgenden Monaten entsteht ein Kontakt zu Friedhelm Blaskowsky, der mit seiner Frau Gudrun die Leitung eines christlichen Ferienwerkes auf der Nordseeinsel Borkum innehat. Nach einem näheren Kennenlernen beschließt die Gemeinde, Bruder Blaskowsky als Pastor nach Katernberg zu berufen. Ende März 1992 zieht Familie Blaskowsky in die Predigerwohnung ein. Da die Ausbildung von F. Blaskowsky nicht am theologischen Seminar, der Ausbildungsstätte des Bundes der FeGn, stattgefunden hat (sondern in der Bibelschule Brake und an der Freien theologischen Akademie in Gießen), durchläuft er z. Zt. bei uns ein sogenanntes Kandidatenjahr, das ab Herbst noch ein zweisemestriges Studium in Ewersbach vorschreibt. Trotz der zusätzlichen Belastung sind wir zuversichtlich für den weiteren gemeinsamen Weg. Gerade wird ein Kreis junger Erwachsener gebildet, die wöchentliche Bastelstunde findet regen Anklang, die Mutter-Kind-Arbeit kann fortgesetzt werden. Gemeindeälteste in den letzten beiden Jahrzehnten waren (Gustav Zahn, Gü. Fischer), O. Aurin, G. Führer, Willi Hebel.
 

Dies ist der Stand im August 1992, im "Jahr mit der Bibel". Zur Zeit hat die Gemeinde genau 100 Glieder, nachdem diese Zahl schon auf fast 90 geschrumpft war. - Diese Chronik ist die Geschichte einzelner Menschen. Sie ist die Geschichte Gottes mit unserer, mit seiner Gemeinde. Seine Verherrlichung und Anbetung, die Treue in der Nachfolge Jesu Christi und das Zeugnis von seiner erfahrenen Güte sind Ursache für die Gemeindegründung und ihr Bestehen bis heute. - Bei Gesprächen mit älteren Geschwistern der Gemeinde wurde mir bewusst, dass man eigentlich eine zweite Chronik schreiben müßte, die aus persönlichen Erlebnissen, teils fröhlich, teils leidvoll, zusammengestellt würde. Die Vergangenheit ist jedenfalls bei manchen noch in lebhafter Erinnerung. - Diese Chronik ist gewiss auch Ansporn, darüber nachzudenken, ob wir uns der Zielsetzung unserer Voreltern im Glauben noch verpflichtet fühlen.
Zum Schluss ein herzliches Danke allen, die mich - praktisch bis zur Drucklegung - immer wieder mit neuen Informationen versorgt haben, ohne die diese Chronik nicht möglich gewesen wäre.

Gerd Führer

Benutzte Quellen:

- J. Konrad: Kurzer Überblick über die Geschichte der Freien Gemeinde zu Caternberg, 1908;
- R. Schmitz: Friedrich Grenner, Witten 1933;
- Gemeindeberichte aus den Jahren 1928 (Monning), 1945, 1947 u. 1948 (Müller), 1953 (Heina), 1957 (Schirmer), 1968 (Buckschun), u.a.
- Rudi Hugo: 75 Jahre Gemischter Chor, 1963;
- Hermann Hugo: Chronik der FeG (Essen-Katernberg), Gemeindebriefe August - November 1978;
- B. Hardenberg: Chronik des Ruhrgebiets, Dortmund 1987;
- W. Dietrich: Ein Act des Gewissens, Bd. 1, Witten 1988;
- Erdlenbruch/Ritter: Freie evangelische Gemeinden, Witten 5/1990;
 

Situation und Auftrag der Gemeinde heute

Die FeG Katernberg orientiert sich in ihrem Aufbau und Auftrag an der Bibel als Gottes Wort. Als Gemeinde am Ort bemüht sie sich, das Evangelium weiterzutragen und so auszuleben, dass den Mitmenschen darin ein Weg der Hoffnung aufgezeigt werden kann.
Die aus der Geschichte gewonnene geistliche Freiheit findet ihren Niederschlag ganz praktisch darin, dass die Gemeinde sich materiell, finanziell und personell selber trägt und verwaltet. (Vgl. Chronik)
Die Zahl der Gemeindeglieder ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben und bewegt sich um die Hundert herum, wobei die Fluktuation zugenommen hat. Der Heimgang betagter Geschwister oder der Wegzug einzelner Gemeindeglieder konnte durch Neuzugänge statistisch wieder ungefähr ausgeglichen werden.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit und neue Gemeinschaftsangebote konnte der Freundes- und Kontaktkreis in den letzten Jahren deutlich erweitert werden.
Die Veränderungen in den Arbeits- und Lebensstrukturen, die in den letzten Jahren das Bild des Ruhrgebietes umgekrempelt haben, spiegeln sich auch in der FeG Katernberg wieder.
In der ehemaligen, fast reinen "Bergarbeitergemeinde" finden sich heute nur noch einzelne Brüder, die in diesem Bereich beschäftigt sind. Stichwort: Zechensterben.
Der Zug zu höherqualifiziernden Bildungsabschlüssen und Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich ist unverkennbar. Eine Reihe von jüngeren Geschwistern und Familien sind aus diesen Gründen aus Katernberg fortgezogen. Stichwort: Mobilität.
Aufgrund der vorgenannten Entwicklungen ist u.a. der Anteil der älteren Geschwister permanent angestiegen. Hinzu kommt die Tendenz zur Kleinfamilie, die die gemeindeinterne Generierung hemmt. Stichwort: Überalterung.
Damit in Verbindung steht die Zunahme an Einpersonenhaushalten, die bei jüngeren und älteren Geschwistern sicherlich unterschiedliche Motive hat, die Gemeinde aber vor neue Aufgaben stellt. Stichwörter: Isolation und Singletum.
Auch finden sich immer mehr Gemeindeglieder, die nicht im näheren Umkreis der Gemeinde wohnen und somit stets eine weitere Wegstrecke zurücklegen müssen, um an den Gemeindeveranstaltungen teilnehmen zu können. Bei ihnen wird das Auseinanderfallen von Wohnumfeld und Gemeindeort in der Wahrnehmung des christlichen Auftrages ein besonderes Problem. Stichwort: Polarität.
Diese Skizzierung der äußeren Situation macht deutlich, dass der biblischen Auftrag der Gemeinde vor Ort im Vergleich zu den früheren Jahrzehnten zwar grundsätzlich gleichgeblieben ist ("Weiden" und "Hingehen"), im Hinblick auf die strukturellen Wandlungen die Art und Weise der Erfüllung dieses Auftrages aber stets neu überdacht und ausgerichtet werden muss. Neue geistliche und gemeinschaftsfördernde Angebote, sensible Umformung traditioneller Einrichtungen, Neubestimmung der Zielgruppen bei Verkündigung, Evangelisation und Seelsorge, u.U. organisatorische Umstrukturierungen stehen deshalb immer wieder auf den Beratungsprogrammen der Aktivkreise in der Gemeinde. Hierzu sind offene Sichtweisen, phantasievolle Überlegungen und gläubiges Inangriffnehmen gefragt.

Otto K.-H. Aurin
"Laßt das Wort Christi reichlich unter euch wohnen" (Kol 1,16)

Generation - Vielfalt mit klarem Ziel

Auf vielfältige Weise treffen sich die Generationen in unserer Gemeinde. Beginnend mit dem Mutter-Kind-Kreis, der Sonntagsschule, der Kinderstunde, über die Jugendarbeit, dem biblischen Unterricht, der Jugendarbeit, dem Kreis junger Erwachsener, bis hin zur Seniorenarbeit  wird in jeder einzelnen Gruppe auf verschiedene Art und Weise Gottes Wort weitergesagt.
Die Konstellation ist nicht vorgeschrieben und kann nach dem jeweiligen Bedarf einer Ortsgemeinde ergänzt oder vermindert werden.
Verantwortliche und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen die Leitung in enger Zusammenarbeit mit Interessierten aus der jeweiligen Gruppe.
Auf regionaler und überregionaler Ebene werden diese Mitarbeiter seitens unseres Bundes geschult und zur Unterstützung und Durchführung ihrer Arbeit regelmäßig Zeitschriften und Materialien zur Verfügung gestellt (die nicht immer kostenlos sind!).
Dadurch wird eine biblische, theologische und seelsorgerliche Betreuung erreicht, die gerade in den "älteren" Gruppen versuchen soll, alle Lebensbereiche von der Musik bis zur gesellschaftlichen Verantwortung zu erfassen.
In den "jüngeren" Gruppen wird viel gespielt, gesungen, gebastelt, und natürlich auch gelobt. Dort schon können die Kinder erleben, dass lebendiger Glaube an Gott Gemeinschaft und Freude stiftet, denn auch das "erarbeiten" biblischer Geschichten und das Umsetzen in den Alltag kommt hier nicht zu kurz.
Freizeiten werden fast in allen Gruppen durchgeführt, in denen die Gemeinschaft untereinander und die gemeinsamen Erfahrungen mit dem Wort Gottes gefördert werden soll.
Der generationsübergreifende Austausch findet nicht nur beim Gottesdienst, sondern auch durch Besuchsdienste, Fahrdienste und das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst statt.
So werden allen Altersgruppen auf der Suche nach Orientierung für das Leben Zusammenkünfte angeboten, in denen Erfahrungen mit den Evangelium gesucht und umgesetzt werden können.

Raimund Erlach
"Lehrt und ermahnt euch gegenseitig in aller Weisheit" (Kol 3,16)

Die Geschichte der FeG  E.-Katernberg
von 1992 bis zum Jahre 2002
anlässlich der
110 Jahrfeier am 06. Oktober 2002

-  E i n   R ü c k b l i c k –

Gib mir einen neuen, beständigen Geist  ( Ps.51, 12)

Vorbemerkungen
Fakten und Bedeutung
Neuerungen
Grundzüge in der GemeindearbeitZusammenschau

1. Vorbemerkungen

Vor 10 Jahren feierten wir das 100jährige Bestehen der Gemeinde. Dazu haben wir eine kleine Festschrift herausgegeben. Gerd Führer hat darin einen wichtigen und interessanten historischen Abriss vorgelegt, der den Weg der Gemeinde und das Handeln Gottes mit und in ihr durch die Jahrzehnte aufzeigt.
Die gleiche Absicht verfolge ich, wenn ich mein Augenmerk auf die vergangenen 10 Jahre lege. Ein kleiner methodischer Unterschied ist jedoch zu vermerken. Während die Daten – und Faktenlage für die ersten hundert Jahre eher schmal war, und G. Führer mühsam die Quellen und Informationen suchen musste, liegt mir soviel Material vor, z.B. rund 120 Gemeindebriefe, dass die Auswahl und Schwerpunktsetzung schwierig ist, denn durch den Rückblick soll ja das Wirken Gottes und nicht unser menschlicher Aktionismus hervorgehoben werden. Deshalb ist, wie jede Auswahl, auch die meine subjektiv und damit bestreitbar. Dennoch soll sie  uns zum Nachdenken über die Wege Gottes mit der Gemeinde führen und uns dankbar stimmen.

2. Fakten und deren Bedeutung

Die FeG  E.-Katernberg hatte im August 1992 genau 100 Gemeinde-glieder. In den letzten 10 Jahren haben sich insgesamt 32 Personen in der Gemeinde neu aufnehmen lassen, davon sind 4 Personen aus anderen Gemeinden zu uns übergewechselt.

Verlassen haben die Gemeinde insgesamt 36 Personen. Davon sind 14 verstorben, 12 sind weggezogen, meist in andere Wohngegenden, 4 Personen sind aus der Gemeinde ausgetreten und 6 Personen durch Gemeindebeschluss in der Gemeindeliste gestrichen worden.
Damit besteht die Gemeinde zur Zeit aus 96 Gliedern.

Sehen wir uns die Zahlen an, können wir sagen, dass es innerhalb der personellen Zusammensetzung der Gemeinde zu einer deutlichen Umstrukturierung gekommen ist. Denn immerhin 1/3 der Gemeindeglieder ist sozusagen ausgetauscht worden. Das verweist gleichzeitig darauf, dass mit den neuen Menschen auch neue Erfahrungen, neue Ideen und neue Einstellungen Eingang in die Gemeinde gefunden haben und dadurch das Lebensklima der Gemeinde beeinflusst worden ist. Das ist ein deutlicher Innovationsschub, der belegt, dass wir in einer lebendigen veränderungsfähigen Gemeinde leben. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass diese Veränderungen auch den etablierten Gemeindegliedern einiges an Flexibilität, Toleranz und Einstellungsbereitschaft aberverlangt  haben. Die Bereitschaft, diese Konflikte aus einem gemeinsamen christlichen Glaubensgrund heraus anzugehen, führte stets zu neuen Erfahrungen, Überlegungen und Lösungen.

Dies ist ein hoffnungsvolles und mutmachendes Zeichen auch im Hinblick auf den Stadtteil Katernberg, der durch den Verlust von Arbeitsplätzen, allmählicher Überalterung und zunehmenden Eingliederungs- und Akzeptanzproblemen, insbesondere bzgl. islamischer Mitbürger und sozialschwacher Familien, reichlich Konfliktpotenzial in sich trägt.
Hier hat die FeG eine stabilisierende und zukunftgerichtete Aufgabe vor allem auf dem Feld der Toleranzentwicklung, der familiären und persönlichen Hilfestellungen und in der Kinderarbeit. Der Herr schenke uns dazu Phantasie, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Mittel und Möglichkeiten.

3. Neuerungen

Einige Neuerungen, die sich auf das Gemeindeleben ausgewirkt haben, sind in den letzten 10 Jahren eingeführt worden. Die folgenden Nennungen haben nur Beispielcharakter für konkrete Veränderungen im Gemeindealltag, es wird keine Vollständigkeit angestrebt.

3.1. Der Gemeindevorstand hat sich durch verschiedene Wahlen
       personell geändert.
Wahljahr 1994: Gerd Führer, Willi Hebel, Günter Kiparski, werden
                          in den Gemeindevorstand gewählt.
Wahljahr 1997: Dieter Oberhoff wird nach dem Ausscheiden von
                          Willi Hebel in den Vorstand gewählt
Wahljahr 2000: Gerd Führer wird in seinem Amt in der
                          Gemeindeleitung bestätigt.

3.2. Die Kinderarbeit geht ab 1994 schrittweise von Doris Aurin in            
       die Hände von Annette Rheinländer über.
3.3. Raimund und Birgit Erlach begründen im Sept. 1994 den
       Teenkreis, der heute in der Verantwortung von Pastor Friedhelm
       Blaskowsy liegt.
3.4. Der Frauenkreis öffnet sich auch für Männer und wird       
       im März 1994 in Seniorenkreis umbenannt.
3.5. Von Ursula und Martin Bonnet übernehmen ab 1995 Maria und   
       Dieter Oberhoff die Jungschararbeit
3.6. Gründung des BIVI – Kreises (Bis Vierzig) Im Jahre 1995
3.7. Der Beginn des Gottesdienstes wird ab Jan. 1997 von 9.30 Uhr
       auf 10.00 Uhr verlegt.
3.8. Die Musik –und Sprechanlage wird im Mai 1999 in Betrieb
       genommen
3.9. Ab Mai 2000 ist die Gemeinde mit einer Homepage im Internet
       zu finden.
3.10. Willi Hebel gibt mit dem Weihnachtskonzert 1999 die Arbeit
         mit dem Bläserchor auf, die dann im Jahr 2001 von Günter                     
         Kiparski wieder aufgenommen wird.
3.11. Der Gottesdienstraum und einige Nebenräume werden im    
         Frühjahr 2001 renoviert.
3.12. Im Jahr Sommer 2001 übergibt Gerd Führer sein Amt als
         Chorleiter des Gemischten Chores, das er 23 Jahre innehatte, 
         an Raimund Erlach.
3.13. Die Jungschararbeit wird im Sept. 2001 in die Form der
         Kinderarche überführt.
3.14. Im Frühjahr 2002 wird der Anbau zwischen Küche und
        Jugendraum mit neuem Eingangsbereich fertiggestellt.


4. Grundzüge in der Gemeindearbeit

Blickt man auf das Gemeindeleben der letzten 10 Jahre zurück, das sich vor allem anhand der Gemeindebriefe gut nachvollziehen lässt, so zeigt sich ein äußerst erfreulicher Tatbestand, der in aller Dankbarkeit zur Kenntnis genommen werden kann; nämlich die Treue in der Wahrnehmung der Aufgaben.

4. 1. Beständigkeit und Wandel im Dienst

Die Beständigkeit und Bereitschaft zur Veränderung in der Durchführung der vielen Gemeindeveranstaltungen ist ein Grundzug unserer Gemeindearbeit. Diese Beständigkeit verweist auf die Verlässlichkeit der Mitarbeiter und darauf, dass sie in der jeweiligen Aufgabe auch einen persönlichen Auftrag sehen. Es findet sich so gut wie kein Termin in den regelmäßigen Gemeindeveranstaltungen, der gestrichen werden musste, es sei denn dass überregionalen Veranstaltungen der Vorrang gegeben worden ist.

Über den Daumen gepeilt, wurden um die 520 Gottesdienste, ohne die Fest- und Feiertagsgottesdienste durchgeführt. Die Besucherzahl kann auf durchschnittlich 50 – 60 Personen geschätzt werden.
Gerade der große Freundeskreis, also Menschen, die nicht Gemeindeglieder sind und dennoch häufig die verschiedenen Gemeindeangebote wahrnehmen, verweist auf die positive Aussenwirkung der Gemeindearbeit.

Die Gottesdienste selbst haben in ihrer Gestaltung deutlich an Vielfältigkeit gewonnen. Von den Familiengottesdiensten über Gäste-, Singe- und Missionsgottesdienste bis hin zu den Festgottesdiensten bietet sich eine reichhaltige Palette der Verkündigungs- und Kontaktmöglichkeiten.


Die Beteiligung einzelner Gemeindeglieder und –gruppen nach ihren Fähigkeiten und Interessen  im Gottesdienst, sei es bei den Einleitungen, sei es mit Musik- und Gesangsbeiträgen wie auch bei Anspielen und medidativen Wort- und Bildbetrachtungen gehört mittlerweile zu den Selbstverständlichkeiten, so dass der klassisch evangelische ‚Wortgottesdienst’ (Eingangslied – Abkündigungen- 45Min. Predigt- Ausgangslied) der Vergangenheit angehört.

Insgesamt lassen sich in der Gemeindearbeit z.Zt. 17 regelmäßig wiederkehrende Wochenveranstaltungen in den unterschiedlichsten Gruppen finden, sowie rund 10 weitere Arbeitsbereiche mit Tätigkeiten, die notwendig und wichtig sind, um das Gemeindeleben aufrecht zu erhalten und zu steuern.
In  allen Arbeitszweigen wie z.B. dem Treffpunkt Bibel, dem Seniorenkreis ( der ja sogar in der Wochenzeitung „Die Zeit“ im Sommer 2002 erwähnt worden ist), der Kinder- und Jugendarbeit (mit ihren sechs Untergruppen, wobei insgesamt über hundert Kinder erreicht werden ) findet sich die gleiche Treue und Verlässlichkeit der Mitarbeiter, sowie eine unermüdliche Suche nach neuen Ideen und Anregungen, um den Teilnehmern die frohe Botschaft zeitnah, anregend und doch unverfälscht zu vermitteln.

4.2. Besondere Einsätze

Neben den regelmäßigen Veranstaltungen und Terminen wurden in den vergangenen 10 Jahren auch eine Vielzahl besonderer Veranstaltungen innerhalb der Gemeinde und darüber hinaus im Essener Raum geplant und durchgeführt. An einige herausragende Ereignisse sei kurz erinnert.

4.2.1. Innergemeindliche Aktivitäten

Mit einer ganzen Reihe von Angeboten haben wir in den vergangenen 10 Jahren versucht, die Gemeindegrenzen zu überwinden und das Evangelium an die Menschen heranzutragen bzw. die Menschen unserer Umgebung zu uns einzuladen. Das geschah in Form von Vortragsabenden, evangelistischen Wochen-enden, Konzerten, gemeinsamen Feiern.
Erinnern will ich nur an die Jugendevangelisation mit dem Tee-mobil 1994, die Tage mit Jakob Poldermann 1996; Team ‚Wort des Lebens’ 1997; Ulrich Bombosch 1997, Bernd Gaumann 1998 und 1999. Besonders gegenwärtig sind noch die Veranstaltungen mit dem ‚Hautnah-Team’ 2001, wodurch viele Menschen, vor allem junge, einen deutlichen Anstoß erhalten haben, sich Fragen über ihr Verhältnis zu Gott zu machen und eine persönliche Beziehung zu Gott zu suchen. Besonderen Nachhall fanden diese Tage in einem Taufgottesdienst, in dem sich 14 Personen taufen ließen.

Eine ganz besondere Erfahrung  der Grenzüberschreitung,  Anders-artigkeit und Verbundenheit im Glauben konnte die Gemeinde in den Veranstaltungen mit den Sintis 1993, 1994, 1996 und 1998 machen. Diese missionarischen Dienste waren stark an die Person von Erich Schmutz gebunden, der hierin sein persönliches Aufgabengebiet gefunden hat.

Aber auch die mittlerweile zur Tradition gewordenen gemeinsamen Gottesdienste mit der koreanischen Gemeinde, die schon seit Jahren in unseren Räumen Gastrechte genießt, halfen dabei, kulturelle Grenzen zu überwinden, dem Anderen zu begegnen, gegenseitige Toleranz zu entwickeln. Dies sind Unternehmungen, die zwar von der Öffentlichkeit kaum registriert werden, aber dennoch einen wichtigen Beitrag für das gegenseitige Verstehen auch auf der lokalen politischen Ebene leisten.
Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Aktivitäten und Einsätze zu nennen und zu würdigen, die in Form von Teenfreizeiten, Gemeindefreizeiten und –ausflügen, Chorfreizeiten, Fahrten und Veranstaltungen des Seniorenkreises, der Kinder- und Sonntagsschularbeit geleistet wurden und nach wie vor geleistet werden.
Mit all diesem bietet die Gemeinde den vielen Menschen in unserer privaten wie öffentlichen Umgebung
•    ein Beispiel für sinnhafte Lebensführung in einer Zeit, die geprägt ist von Sinn- und Wertverlust;
•    ein Beispiel für Beständigkeit und Treue in einer Zeit, in der Willkürlichkeit und Spaßkultur dominieren;
•    eine Beispiel für soziale und menschliche Nähe, in einer Zeit der zunehmenden ‚soziale Kälte’ und Isolation.
Die Ausstrahlung in das soziale Umfeld ist deutlich und dankbar zu beobachten. Was der Einzelne für sich persönlich und für sein Leben mitnimmt ist nicht messbar. Das ist auch nicht unsere Aufgabe, denn von Gott haben wir als Christen die Aufgabe, den Samen der frohen Botschaftz zu säen, das Wachsen und Gedeihen können wir getrost unserem himmlischen Vater überlassen.

4.2.2. Beteiligung und Zusammenarbeit

Wir haben in den letzten 10 Jahren nicht nur vor unserer Haustür gekehrt, wie es in einer Redensart heißt, sondern haben uns auch aktiv in direkter oder indirekter Weise an größeren Projekten beteiligt.
Ich erinnere:
•    an die Pro-Christ Veranstaltungen mit Billy Graham im Jahre 1993 und  mit Ulrich Parzany 1997 in den Gruga - Hallen;
•    an die Bundesjugendtreffen im Gelsenkirchner Parkstadion 1993 und 1995;
•    an den Kongress des Bundes der Freien evangelischen Gemeinden  zum 125jährigen Bestehen des Bundes im Jahre 1999 in den Gruga – Hallen;
•    weiterhin an die Mitwirkung und Durchführung der Kreisveranstaltungen an den Himmelfahrtstagen;
•    an die Beteiligung bei den Gruga -Tagen im Rahmen der evangelischen Allianz;
•    an die Durchführung der  jährlichen Allianzgebetswoche gemeinsam mit den Geschwistern der Baptistengemeinde in E.-Schonnebeck ;
•    und in diesem Jahr noch, an die Beteiligung an der Essener Kirchenmeile zum 1150 Jahresfest der Stadt Essen.

Auch wenn diese Aufzählung nicht vollständig ist, zeigt sie doch, dass wir unsere Verantwortung nicht nur im engsten lokalen Bereich sehen, sondern unterstützend – betend – finanziell - persönlich aktiv – auch im gesamten Gemeinwesen wahrnehmen. „Suchet der Stadt Bestes“ heißt es bei Jeremias (29,7). Mit unseren Mitteln und Möglichkeiten und Gottes Hilfe haben wir versucht, diesem Anspruch in den vergangenen 10 Jahren gerecht zu werden.

5. Zusammenschau

Es ist hoffentlich deutlich geworden, dass wir dankbar sein dürfen für die Vielzahl der Aktivitäten, die in der FeG Katernberg ihre Entfaltung finden, für die Erfahrungen, die wir machen konnten mit vielen Menschen und mit Gott. Das soll uns Anlass zum Loben und Danken sein.
Dankbar dürfen wir auch an solch einem Jahrestag dafür sein, dass Gott uns noch einen Auftrag gibt in dieser Zeit an diesem Ort, nämlich dass wir zu den Menschen gehen und Menschen zu uns einladen dürfen. Auch dafür, dass wir uns als Geschwister untereinander auf dem Glaubensweg und in der Arbeit stärken und stützen können.
Das tun wir nicht deshalb,
•    weil wir ein besonders gutes Programm haben,
nicht,
•    weil wir die Menschen um uns her besser machen wollen, oder ihnen gar einen Spiegel ihrer Untaten vorhalten wollen
und auch nicht,
•    weil wir besonders gute Christen sein wollen,
sondern ganz allein deshalb,
•    weil wir etwas von der Liebe Christi in unserem Leben erfahren haben und meinen und von der Bibel her beauftragt sind, davon etwas unseren Mitmenschen weiterzugeben,
            damit auch sie die Chancen erkennen und wahrnehmen, die                     
            darin liegen, in Gott durch Jesus Christus eine konkret          
            ansprechbare Person zu erkennen, die unserem Leben
            Richtung, Heilung und Hoffnung geben kann.

Das ist unser Anliegen als Christen in der Welt, als Gemeinde hier vor Ort, für jeden Einzelnen in dem Umfeld, in dem er lebt.

G o t t   s e g n e    u n s  d a z u.

Otto K.-H.  A u r i n,
Waltrop